Am 4. August musste ich Abschied von El Salvador nehmen. Mich zog es nach Antigua, Guatemala. Ich befand mich nun ueber 7 Wochen in El Salvador. Ich mag das Land, wenn auch nicht mein Traumland zum Leben ist. Es ist anders. Und die Menschen sind so grossartig, trotz der Gewalt auf den Strassen. Der Abschied von Claudia und ihrer Familie fiel mir sehr schwer. Natuerlich auch von Alberto, der mich in Panama City zu sich eingeladen hatte. Ich bin extra schon um 7.30 Uhr aufgestanden, doch erst nach 10 Uhr kam ich los. Eigentlich wollte ich den oeffentlichen Bus zum Busterminal nehmen, doch Manuel, Claudias Bruder, brachte mich zum Terminal. Statt einer Stunde, brauchten wir nur 10 Minuten. Die Mutter “Delfine“ war wirklich sehr trauig und nahm mich oft in den Arm. Sie hat mich gleich mal fuer Dezember eingeladen. Im Dezember ist in El Salvador ein ganzer Monat Ferien. Genauso wie in dieser Woche jetzt. Im ganzen Land haben die Leute frei und verstopfen die Strassen. Am Busterminal bekam ich sofort einen Expressbus nach Sonsonate. Das war wirklich gut so. Ich brauchte 5 Busse nach Antigua. Die letzten beiden Busse waren die letzten am Tag. Erst nach 20 Uhr erreichte ich die Stadt, von der ich viel Gutes gehoert habe. Ich fand mit Glueck ein guenstiges Hostel in einem Dormroom. Ein Hosel voller Touristen. Auch auf den Strassen sind so viele Touristen. Eigentlich ueberall. Komisches Gefuehl. Nach so langer Zeit bin ich nicht mehr einzigartig und falle nicht auf der Strasse auf. Waehrend viele Menschen in Zentralamerika (mit Grund) etwas gegen Amerika hat, ist Guatemala von amerikanischen Einfluesse ueberschwemmt. Ich habe so viele amerikanische Produkte aus dem Busfenster gesehen und die Einheimischen laufen in amerikanische T-Shirts rum. Guatemala ist auf dem ersten Eindruck teuer. Besonders die Busfahrten. Mit 3 Dollar fuer eine Stunde fand ich den Preis uebertrieben. Ich wurde aber gewarnt, dass Busfahrer von Touristen gerne einen erhoehten Fahrtpreis verlangen. Einmal konnte ich der Schaffner auftricksen. Die Petze wurde sofort mit Puta beschimpft. Der Grenzuebergang in „La Hachadura“ verlief ganz OK. Die beiden Immigrationsbueros waren sehr weit auseinander. Das erste Stueck bin ich noch gelaufen, doch dann brachte mich ein Fahrradtaxi fuer meine letzten US-Cents zur anderen Seite. Auf der guatemalischen Grenze... ...wollte der Beamte von mit 5 Dollar Eintrittsgeld. Nicht schoen wieder dachte ich erst. Ich guckte cool und selbstbewusst. Ich zeigte ihm ruhig, dass ich schon in Nicaragua bezahlt habe. Ich kenne das CA-4 Abkommen und weiss, dass ich nur einmal in 90 Tagen Eintritt bezahlen muss. Der Beamte nahm meinen Reisepass und stempelte ihn ohne etwas zu sagen ab. Ich bekam nur einen Aufenthalt von 15 Tagen. Ich hatte gehofft, dass ich 3 Wochen in Guatemala bleiben darf. Ich werde wahrscheinlich das Visa ueberziehen. Es kostet mich ca. 1 Euro pro Tag Strafe. In Guatemala City koennte ich mein Visa verlaengern. Jedoch moechte ich nicht bis zu 3 Tage warten.
Inzwischen fuehlte ich mich schon fast wie zu Hause, als ich am 22. Juni zum dritten Mal den Busbahnhof von San Salvador erreichte. Den laesstigen Taxifahrern haute ich auf die Finger, als sie versuchten, meinen Rucksack anzufassen. Mit dem Bus Nummer 9 ging es ohne Probleme zum Stadtteil „Ayutuxtepeque“, zum Haus von Alberto. Erneut guckten die Einheimischen etwas verwirrt, einen scheinbar verirrten Auslaender zu sehen. Die Ueberraschung war natuerlich gross, als mich Alberto und seine Mitbewohner sahen.
Ich kochte mal wieder...
...und wir quatschten bis spaet in die Nacht. Lange schlafen war wieder nicht drin. Schon um 6.30 Uhr standen alle in Kueche und machten sich fuer die Arbeit bzw. Uni fertig. Die ganze Woche ueber hatte ich vieles zu erledigen, so dass die Tage viel zu schnell vorrueber gingen. Am Freitag war ein weiteres Mal Café La „T“ (gesprochen Café Late) Tag. Ich war den ganzen Tag aufgedreht, bis ich eine unangenehme E-Mail aus Deutschland erhielt. Mein Magen spielte danach total verrueckt. Nur mit Muehe konnte ich mich zusammenreissen. Langsam aber doch konzentrierte ich mich auf die Trommlergruppe, die die Stimmung anheizte. Claudia, eine Freundin von Alberto, weihte mich immer weiter in die Kunst der Salsa- und Bossa Nova-Klaenge ein. Und es funktionierte. Ich musste nur die deutsche Steifheit ablegen und auf den Rhythmus hoeren. Der uebliche Alkoholtrick funktioniert nicht, weil man sich viel zu oft um die eigene Achse drehen muss. Also verzichtete ich auf Alkohol, hatte meinen Spass und genoss diesen Abend enorm. Das anschliessende Wochenende verlief ganz ruhig und entspannt. Am Samstag lud Claudia uns (Thure (Deutscher), Evelia (seine Freundin, Salvadorerin), Alberto, Salvadorer) in ihr Haus ein -OK, das Haus ihrer Eltern-, in dem wir ueber Nacht blieben. Ab 21 Uhr fahren in San Salvador keine Busse mehr und ist nach 20 Uhr nicht empfehlenswert. Wenn ich in den Plan eingeweiht gewesen waere, haette ich am naechsten Morgen nicht mit zusammengekniffenden Lippen das Fussballspiel Deutschland gegen England angeschaut, weil ich keine Zahnbuerste dabei hatte. Um 8 Uhr morgens versammelten wir uns alle vor dem Fernseher.
Fuer einen richtigen deutschen Fussballfan gehoert es sich zu schminken und sich dementsprechend auszustatten.
Ich bin kein richtiger Fussballfan. Bin ich ueberhaupt einer? Ich habe fuer ein Unentschieden gestimmt,...
...obwohl ich mehr fuer England die Daumen gedrueckt habe. Einer im Haus muss doch fuer Gleichgewicht sorgen. Nachdem ein offensichtliches Tor von England nicht gegeben wurde, war die Stimmung bei den Englaendern raus.
Zum Schluss hiess es 4:1 fuer Deutschland. Es hat wieder nicht geklappt. Die Prognosen besagten, dass Deutschland nach der erste Runde nicht weiterkommen wuerde. Am Nachmittag fuehr ich mit Thure und Evelia zur „Artilugio“ -Ausstellung, im „Museum der Kuenste“.
In einem extra Ausstellungsraum zeigten viele Kuenstler ihre Werke. Claudia war einer unter ihnen und durfte ihre Kunstwerke auch zum Verkauf anbieten. Nicht alles hat mir gefallen. Wenn nicht sogar kaum etwas. Aber vielleicht macht das genau Kunst aus?!? Claudia ist Studentin an der Kunst-Universitaet in San Salvador und macht gerade ihren Master in Keramik-Kunst. Viele ihrer Werke gefallen mir sehr und sind wahrscheinlich durch ihren japanischen Professor ein wenig japanisch gepraegt. Sie studiert verschiedene chemische Oberflaechenverfahren, wenn sie nicht gerade im Museum arbeitet. Zu meiner freudigen Ueberraschung schenkte sie mir einen Elefanten, der dem ersten „Margarete Steiff“ Elefanten sehr aehnelte.
Sie schwor mir aber, dass sie noch nie etwas zuvor von der Firma Steiff gehoert hat. Dann muss ich es ihr wohl glauben. Im Museum der Kuenste fand ebenfalls eine Picasso-Ausstellung statt. Den farbenfrohen Ausstellungsraum und die Bilderrahmen haben mir sehr gefallen. Die Lampen setzten tolle Kontraste. Nur aber was sich in den Bilderrahmen befand, war ausgesprochen schlecht. Ich habe schon einige Picasso Kunstwerke gesehen. Doch diese waren langweilig und die Skizzen wirken lieblos zusammengewuerfelt. Absolut nicht sehenswert! Mein Magen hatte immer noch zu kaempfen. Oder ich mit meinem Magen!?! Die ganze Woche ueber plagte ich mich damit. Erst die Medizin aus der Apotheke und Entspannung halfen. Nach einer aufregenden Woche freute ich mich, dass endlich Freitag ist. Sorry, ich wollte unbedingt wieder im Café La „T“ tanzen gehen. In der Woche ueber war ich einmal mit Claudia im Café La „T“ heisse Schokolade trinken. Der Geschmack, der Schokolade, war suess. Am Freitag, nach Albertos Deutschkurs,...
...fuhren wir mit den Leuten im Haus zum Tanzen ins Café La „T“. Claudia musste leider absagen. Sie fuehlte sich nicht besonders gut, so dass ich fuer den Abend einen anderen Tanzpartner finden musste. Kaum hatte ich die Location betreten, lernte eine Englischlehrerin kennen, die mit mir „Pool-Billiard“ spielen gehen wollte. Naja, sie musste alleine spielen gehen. Ich tanzte den ganzen Abend mit vielen Frauen. Um 2 Uhr nachts wurden wir alle rausgeworfen. Eine Freundin von Alberto brachten uns zurueck. Sie hatte keinen Fuehrerschein und war betrunken. Trotzdem fuhr sie Auto. „Es machen alle so in El Salvador.“ Ich hatte ziemliche Angst, weil sie ohne zu gucken ueber die Kreuzungen fuhr. Alternativen nach Hause zu kommen, waere nur ein teures Taxi gewesen. Was sind schon 4 Dollar im Vergleich im Krankenhaus zu liegen? Im Haus von Alberto war es inzwischen sehr voll. 3 Deutsche und eine Amerikanerin sind eingezogen. Ich zog uebers Wochenende ins Haus von Claudia. Sie haben viele Zimmer und es war wirklich kein Problem. Ich revangierte mich, in dem ich mich ums Essen fuer die ganze Familie kuemmerte.
Alle in der Familie koennen nicht kochen und waren offen fuer neue Genuesse. Sie mochten mein Essen. Wirklich! Wie schoen.
Claudias Mutter und ihre Geschwister Maura (Foto) und Manuel mochten mich auch. Sie boten mir an, dass ich hier, wenn immer ich moechte, schlafen darf. Und nach einigen Tagen wollten sie sogar, dass ich die naechsten Monate bleiben darf. Doch das lag bestimmt am Essen, das ich so gut wie jeden Abend kochte. An den anderen Tagen gibt es leckere Pupuser mit Kaese und Bohnen. Ich kann nicht genug davon bekommen. Deutschland machte den dritten Platz bei der Fussballweltmeisterschaft in Suedafrika. Wir guckten das Spiel in unserer Stammbar. Viele Leute von der Deutschklasse waren auch gekommen und drueckten fuer Deutschland die Daumen.
Ich haette mal wieder aus Krake Paul hoeren sollen, die alle WM-Spiele vorhersagen kann. Uruguay war das letzte Team aus Suedamerika. Am Sonntag war das Endspiel: Holland gegen Spanien. Ich drueckte Holland die Daumen. Ich hoerte wieder nicht auf Paul und war wahrscheinlich der Einzige in der Bar, der fuer Holland stimmte. Jedesmal, wenn Holland eine Torchance hatte, schrie ich. Sekunden spaeter schrieen alle und klatschten mit mir. Aber nur, weil sie die Hollaender auslachten. Spanien, der Uebeltaeter fuer viel Leid im Land, wird nun heute das spanische Fussballteam von den Salvadorer bejubelt. Die Salvadorer sind grosse Barceloner-Fans. Fast alle Spieler von Barcelona spielen in der spanischen Nationalmanschaft. Im Haus von Alberto war es regelmaessig laut und ungemuetlich. Ich lernte nun jeden Tag im Haus von Claudia spanisch und war jetzt schon fast so ne Art Familienmitglied. An einem Abend zeigten sie mir eine deutsche Bar in san Salvador. Es gab deutsches Essen, wie zum Beispiel Bratkartoffeln, Currywurst und Bauernfruehstueck, und deutsches Koestritzer Bier. Es war wirklich ein lustiger, schoener Abend. Am Mittwoch, den 21. July, hatte Maura (Claudias Schwester) Geburtstag. Erst gab es Berliner Buletten mit Bratkartoffeln und abends fuhren wir dann in eine Juppi-Bar und tranken Cocktails.
Es wurde recht spaet und kamen erst gegen 3 Uhr morgens ins Bett. Dementsprechend muede waren wir alle am naechsten Morgen. Gute News bekam ich inzwischen aus Deutschland. Mein Zwischenmieter, von dem alle erst dachten, dass er Tod sei, ist aus dem Gefaengsnis raus und versprach, seine Schulden bei mir zu begleichen. Nun konnte ich wieder hoffen, meine Plaene zu realisieren. Am darauffolgenden Montag wurde ich nach Panchimalco eingeladen. Ein bekannter Kuenstler hatte seine Tueren geoeffnet und Kunststudenten der Universitaet eingeladen. Der Kunstprofessor brachte uns auf der Lageflaeche seines alten Lkws nach Panchimalco. Auch ich wurde herzlich empfangen und durfte mir sein Atelier anschauen. Das Haus mit seinem Garten fand ich wunderschoen gestaltet. Jedoch fand ich seine Kunstwerke nur interessant.
Am spaeten Nachmittag lug uns dann noch ein Kunststudent zu seiner Familie ein. Heute vor 9 Jahren war sein Grossvater gestorben und das wird gross gefeiert. Es gab tradionell ein Maisgericht im Bananenblatt eingewickelt und geduenstet. Auf der Rueckfahrt nach San Salvador setzte der gewoehnliche Regen am Abend ein. Waehrend die Frauen im Inneren sassen, mussten wir Maenner auf der Ladeflaeche ausharren. Wir bekamen ein Stueck Pappe als Schutz. Es half natuerlich kaum. Der Professor, Claudia und eine andere Frau sassen lachend im LKW. Uns war nicht zum Lachen zu mute. Es war bitter kalt.
Wir fuhren zu Albertos Haus und holte meinen Ruecksack mit all meinen Sachen ab. Maura kam vorbei, damit ich meine Sachen nicht tragen musste. Es war der Tag vom Abschied zu Alberto. Die anderen Mitbewohner waren nicht zu Hause. Nach so vielen Wochen fiel es mir sehr schwer Good Bye zu sagen. Ich verschob immer wieder meine Abreise. Doch am 4. August musste und wollte ich El Salvador (erstmal) dem Ruecken kehren.
In meinem Hostel in Suchitoto meinte die eine Frau zu mir, dass ich ganz froh darueber sein kann, dass sie “nur” mein Portemonnaie gestohlen haben. Wenn ich einen anderen Bus genommen haette, dann waere ich vielleicht bei einem Anschlag in San Salvador ums Leben gekommen. Ok, der Anschlag fand am Sonntag statt. Trotzdem ist es erschreckend, dass Bandenmitglieder einen voll besetzten Bus am Sonntag in Brand steckten und am Montag alle Passagiere eines anderen Busses erschiessen. 16 Menschen sind inzwischen nach dem ersten Attentat gestorben und 14 weitere liegen mit schweren Brandverletzungen im Krankenhaus. Kurz danach, einige hundert Meter weiter, wurde ein anderer Bus angegriffen. Der Schaffner und ein kleines Maedchen kamen dabei ums Leben. Die Polizei geht davon aus, dass es sich bei den Taetern um Mitgliedern der geruechtigten Jugendbande “Mara 18” handelt, die dieses Busunternehmen erpressen. Im vergangenen Jahr haetten kriminelle Banden 137 Fahrer sowie in den Bussen mitfahrende Schaffner umgebracht. 37 Busse wurden letztes Jahr in Brand gesetzt. Seit Januar diesen Jahres seien bereits 77 Menschen in Bussen umgebracht und 30 Fahrzeuge verbrannt worden. Mit jaehrlich 72 Morden auf 100.000 Einwohner zaehlt El Salvador zu den Laendern mit der hoechsten Mordrate weltweit. In Zahlen ausgedrueckt wurden letztes Jahr 4824 Menschen ermordet (11 pro Tag) und etwa 4015 davon in der Hauptstadt San Salvador. Wenn ich so durch die Strassen laufe, kann ich das alles kaum glauben. Die Menschen sind ueberdurchschnittlich nett und freundlich. Herzlich werde ich staendig gegruesst und angesprochen. Das die Realitaet anders aussieht hat der algerische Dokumentarfilmer Christian Poveda in seinem Film “La Vida Loca” (Die Todesgang) gezeigt. Deutscher Trailer zur Dokumentation.
Es wurde sein Lebenswerk, denn er musste dafuer einen hohen Preis bezahlen. Am 2. September 2009 wurde er von der "Todesgang" hingerichtet. Christian Poveda dokomentiert mit einer beeindruckenden Naehe und viel Emotion den Alltag der “Mara 18″, die zu den brutalsten und gefaehrlichsten Gangs in Lateinamerika zaehlt. Neben der ”Mara 18” regiert eine noch weit gefaehrlichere Strassengang, die "Mara Salvatrucha" bzw. "Mara 13". Beide Gangs liefern sich in San Salvador eine erbitterte Schlacht. Es geht um Revierverhalten, Erpressungen und um Drogen- & Waffenhandel. Die Mara 13 und die Mara 18 hassen sich – es gibt weder ideologische noch religioese Gruende, die den Kampf erklaeren koennten. Seinen Ursprung entstand in den Elendsvierteln der hispanischen “barrios” in Los Angeles. Zur Zeit des Buergerkrieges in El Salvador (1980 bis 1992) sind viele Salvadorer nach LA immigriert. Aus Rassismus und um gegen die amerikanischen, chinesischen und mexikanischen Gangs mithalten zu koennen, gruendeten die Salvadorer eine eigene Gang und schafften sich somit Respekt und vor allem Schutz. Die Gewalt, die es bis dahin in Amerika gegeben hat, war nichts im Vergleich, was die Salvadorer in ihrem Buergerkriegsland gesehen und erlebt haben. Der Menschenstrom aus El Salvador war jedoch hoeher, als bei den anderen Nationen. Darum wuchs die Bande schnell gefaehrlich an. Irgendwann spalteten sich die Salvadorer in zwei Lager: die Mara 18 (bedeutet soviel wie Clique 18) rund um die Strasse 18 und die “Mara Salvatrucha” um die Strasse 13. Bei Youtube gibt es mehrere interessante Dokumentationen. Einige sind sehr gut und aufschlussreich,...
...andere sind sehr sensationslustig aufgebaut.
Nach dem Ende des Buergerkriegs wurden die viele Salvadorer zurueck nach El Salvador abgeschoben. Vor allem die, die Polizeiauffaellig geworden waren. In den USA hatten sie ein langes Vorstrafenregister, aber in El Salvador hatten sie eine reine Weste. Die Amerikaner wollten sich dem Bandenproblem elegant entledigen. Ungeahnt wurde alles viel schlimmer, da die Gangs nun international arbeiten. Die Mitglieder der Gangs einfach einsperren bewirkt genau das Gegenteil. Wenn sie das Gefaengnis verliessen, hatten sie groesseres Ansehen bei den Anderen und gehoerten zu den erfahrenen, alten Gangmitgliedern. In den amerikanischen Gefangnissen erhielten sie eine erstklassige Ausbildung im organisiertem Verbrechen. Mit der Abschiebung nach El Salvador wurde der Hass mitgenommen und der Einflussbereich der Banden wuchs weiter. Laut Schaetzungen haben sie je ca. 30.000 Gangmitglieder. Ueberall wird rekrutiert, auf Schulhoefen, Spielplaetzen und im Einflussbereich der jeweiligen Gang. Der Krieg wurde vor allem in San Salvador ausgetragen. Da die Regierung haerter in den Staedten gegen die Mara 13 & 18 vorgeht, wichen sie auch aufs Land aus. Im ganzen Land sollen die Gangs fungieren und Angst verbreiten. Sie sind erbarmungs- & hemmungslos. Nach dem 12jaehrigen Buergerkrieg in El Salvador hatte die Gewalt ein neues Gesicht. Toeten oder getoetet werden ist die neue Philosophie. Die Maras nennen es Hass. Hass auf den anderen, weil diese ein Mitglied ihrer Gang umgebracht haben. Es ist eine Endlosspirale und laesst sich vermutlich nur schwer durchbrechen. Das Aufnahmeritual besagt, dass man zuerst jemanden von der anderen Gang toeten muss und danach sich 13 bzw 18 Sekunden zusammenschlagen lassen muss. Den Frauen wird das Zusammenschlagen erspart. Jedoch muessen sie mit allen Gangmitglieder schlafen ("Zugfahrt") und gelten zukuenftig als Prosituierte oder koennen sich von einem Mann richtig vergewaltigen lassen. Ein Austritt aus der Gang ist nur moeglich, falls die Person die 26 oder 36 Sekunden (also doppelte Zeit) des Verpruegelns ueberlebt. Nur die wenigsten ueberleben die Tortur. Was die Frauen beim Austritt machen muessen, kann ich nicht beantworten. Vor dem Aussteigen wird auf jedenfall abgeraten. Jeder Verrat und alle Missetaten, auch innerhalb der Gang, werden aufgespuehrt und bestraft. Es soll den Gruppenzusammenhalt staerken. Erkennen soll man die Gangmitglieder ganz einfach. Alle tragen auffaellige Taetowierungen. Freiwillig und unfreiwillig. Wenn jemand nicht in die Gang eintreten moechte, bekommt einfach ein Tattoo ins Gesicht. Es ist eine Art oeffentliche Markierung. Die Person muss jetzt bei jedem Schritt vor die Haustuer aufpassen, nicht von der anderen Gang gesehen zu werden. Der einzige Schutz ist nun die Mitgliedschaft in der Gang, die Schutz gibt. Jedoch einmal drin, gibt es kein Zurueck. Auch die ganze Familie ist mit drin und lebensgefaehrlich bedroht, auch wenn nur z.B. der Sohn Mitglied ist. Laut einem neuen Gesetz sollen alle Polizisten taetowierte Maenner verhaften. Ein Grund muss nicht vorliegen. Falls sie Marihuana dabeihaben, dann werden sie eben zu 20 Jahre Zuchthaus verurteilt. Um 80% wuchsen die Gefaengnisse an. Inzwischen sind die Gefaengnisse nach Gangmitgliedschaft aufgeteilt. Waerter gibt es kaum, da die Gangs alle Probleme selber regeln. Einmal konnte ich solch einer Verhaftung zugucken. Finanzieren laesst sich der Strassenkampf durch Drogen, Waffen und durch Erpressungen. Darum also der brutale Anschlag, um Angst zu schueren und Respekt aufzubauen. Inzwischen bezahlt wirklich jeder Schutzgeld. Selbst fuer 2 Dollar wird die Waffe gebraucht. Der Busanschlag war wirklich heftig und wurde, wie ich spaeter gehoert habe, nicht vom bzw. von den Gangsbossen in dieser Art und Weise befohlen. Der Befehl lautete den Busfahrer und den Schaffner zu toeten. Nicht aber alle Insassen. Es war eine Einzelaktion, die fuer die Moerder nach hinten losging. Innerhalb der Gang stehen sie auf der schwarzen Liste, weil sie mit dieser Aktion zu viel Aufregung gerichtet haben. Der Hauptmoerder stellte sich der Polizei, damit er seine Lebenschance noch verlaengern kann. Aber nun mal ganz ehrlich. In El Salvador gehen pro Jahr 570 Tonnen Kokain durchs Land. Die Gangmitglieder sehen nicht so aus, als ob diese etwas damit zu tun haben. Sie leben in einfachen erbaermlichen Huetten. Die Waffen stammen noch aus der Zeit des Buergerkrieges. Die waren Gaengste tragen keine Tattoos, sonders tragen massgeschneiderte Anzuege und Rolex-Uhren. Denen ist es ganz recht, dass die breite Oeffentlichkeit nur auf die kleinen armen Strassengaengster gucken. Ausserdem wird vermutet, dass die Oppositionsregierung den Bandenkrieg anheizt, um so zu zeigen, wie schlecht und hilflos sie arbeitet.
Im 9. Jahrhundert siedelten die beide mexikanischen Staemme “Pipiles” und “Lencas” im heutigen El Salvador an. Sie nannten das Land “Cuscatlán”, was in ihrer Sprache “Land des Gluecks” bedeutet. Das Glueck endete mit der Eroberung der Spanier 1524. UeberbleibselLLL der ehemaligen bluehenden Kultur sind nur die Ruinen von Tazumal uebriggeblieben. In regelmaessigen Abstaenden kam es immer wieder zu Kriegen, Aufstaende durch die Unterdrueckung der Landbevoelkerung und schliesslich zwischen 1980 bis 1992 zu einem brutalen Buergerkrieg, der am Ende rund 70.000 Tote, vorwiegend unter der Zivilbevoelkerung, tausende Versehrte und Zerstoerungen in Milliardenhoehe verursachte. Grund dafuer waren soziale Spannungen, die durch das grosse Wohlstandsgefaelle verursacht wurden. Eine kleine Elite besass einen Grossteil der Ressourcen, ein nennenswerter Mittelstand existiert erst seit Ende der 80er. Letztendlicher Ausloeser des Buergerkriegs war die Ermordung des Befreiungstheologen und Erzbischofs Oscar Romero durch rechtsgerichtete Todesschwadronen in einer Kirche. Wie in anderen lateinamerikanischen Buergerkriegen (Guatemala, Chile, Nicaragua) unterstuetzte auch in El Salvador der frisch gewaehlte US-Praesident Ronald Reagan das ideologisch verbundene Regime. Kampf gegen den Kommunismus! Neben der Entsendung von militaerischen Ausbildern und CIA-Missionen bestand die Unterstuetzung vor allem in der Lieferung von Militaergeraet. Noch heute befinden sich (zu) viele Waffen im Land. Immer wieder konnte ich Schilder wie dieses hier sehen.
Dieses Schild wirkt eher laecherlich. „Zu ihrer eigenen Sicherheit...“. Gerade deshalb tragen viele Salvadorier Schusswaffen und versuchen sich mit Securityleuten zu schuetzen.Schritte zur weiteren Entwaffnung der Bevoelkerung wurden durchgefuehrt. Im amnesty-international-Report 2009 zu El Salvador heisst es: "Das unveraendert hohe Gewaltniveau gab Anlass zu ernster Besorgnis hinsichtlich der oeffentlichen Sicherheit. Wegen der missbraeuchlichen Anwendung des Antiterrorgesetzes von 2006 standen die Behoerden unter Kritik. Nach wie vor ungesuehnt blieben die weit verbreiteten Menschenrechtsverletzungen, die waehrend des internen bewaffneten Konflikts (1980 - 92) begangen worden waren. Das Amnestiegesetz von 1993 behielt seine Gültigkeit...“. Waehrend nach dem Friedensschluss 1992 Menschenrechtsverletzungen deutlich zurueckgingen, nehmen sie seit einigen Jahren wieder zu und werden nicht geahndet. Organisationen und Personen, die die Wirtschafts- und Sozialpolitik der Regierung kritisieren, werden haeufig bedroht. Die wirtschaftliche und soziale Lage der Bevoelkerung ist durch Arbeitslosigkeit, Armut und ein hohes Maß an Gewalt gekennzeichnet. Das klingt so gefaehrlich und macht Angst. Trotzdem kann ich immer nur von El Salvador schwaermen. Und vor allem die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen. Ich hoffe instaendig, dass endlich in El Salvador Frieden einkehrt und dass die Menschen ihre Art behalten.
Nach so viel Aerger und Stress waehrend des Tags erreichte ich am spaeten Nachmittag des 21. Junis die kleine ruhige Stadt “Suchitoto”, am See “Embalse Cerrón Grande”. Vor ueber 1000 Jahren siedelten hier die Yaquis und die Pipils aus Mexico an. Im 16. Jahrhundert hatte Suchitoto den Hauptstadtstatus von El Salvador. Waehrend des Buergerkrieges zwischen 1980 und 1992 fuehrte es zu einer Flucht der Einwohner, so dass sich Suchitoto in eine Geisterstadt entwichelte. In meinem Lonely Planet Reisefuehrer stiess ich auf das Hostel “Casa de Rubia”. Mit US$6 pro Nacht war es wohl die guenstigste Unterkunft in der touristisch gepraegten Stadt. Ich gab mich mit dem dreckigen Zimmer zufrieden, dass den hygienischen Zustand des Hauses spiegelte. In der Beschreibung zum Hostel lass ich vom kostenlosen Internetzugang. Diesen gab es nicht und alle Internetcafés hatten schon geschlossen. Ich musste unbedigt noch an diesem Tag Kontakt zu meiner Postbank aufnehmen, um die Bankkarte sperren zu lassen. Im Hostel befand sich eine Gruppe Volontaire aus den USA die Aufklaerungsarbeit in Zentralamerika nach den Buergerkriegen leisten. Sie waren so freundlich, mir den Laptop auszuleihen. Den ganzen Tag ueber hatte ich kaum etwas gegessen. Also ging ich zum Plaza und guckte nach etwas zum Essen. Ich fand nur teure Restaurants und eine Pupuseria, die den Eigentuemern von meinem Hostel gehoerten. Ich liess mir fur US$0,35 das Stueck einige Pupuser zubereiten. Als ich fertig mit Essen war und bezahlen wollte, verlangten sie aufeinmal US$0,50. Das fand ich ganz schoen frech. Als ich mich damit abgegeben habe und mein Wechselgeld zaehlte, stimmte auch das nicht. Nach meiner Beschwerde warf sie mir mir ein paar Muenzen hin. Nun fehlten immer noch ein paar Muenzen. Die Frau lachte mich aus, weil ich mein Wechselgeld genau zurueck haben moechte. Mir ging das zu weit und beschloss nur eine Nacht in diesem Hostel zu verbringen und dann abzureisen. Sehr geschaeftstuechtig ist das nicht. Sie lacht mich 10 Cent wegen aus und verliert somit 12 bis 18 Dollar (2 oder 3 Naechte) Zimmermiete. Ich wollte nur noch ins Bett und schlafen. Ging nicht, weil im Nachbarshaus geschrieen wurde. Ein Mann fuehrte anscheinend laut Selbstgespraeche. Am Morgen um 5.30 Uhr schalte erst laute Musik und dann gaben die Haehne ein Konzert. Ich nahm meine Ohrstoepsel und fand nochmal zum Schlaf. Erst gegen 10 Uhr erwachte ich. Ich habe den Wecker nicht gehoert. Nun hatte ich kaum noch Zeit, mir die Stadt anzuschauen. Ohne Fruehstueck lief ich durch die Gassen ... ...und folgte den Weg zum See “Embalse Cerrón Grande”. Die alten Haeuser sahen ganz nett aus. Ich ging also die Strasse zum See und erfreute mich an der Natur und an den Naturgeraeuschen. Zum ersten Mal erblickte ich den Nationalvogel von El Salvador, den Torovoz (Motmot).Gestoert wurde die Idylle zweimal, als mit Lautsprecher bestueckte Werbeautos langfuhren. Der See gilt als wichtiger Vogelplatz. Ueber 200 Vogelarten wurden hier gezaehlt. Tausende Voegel nisten auf und rund um die Inseln. Wie halten bloss die Salvadorer den staendigen Laerm aus? Ich genoss den Ausblick auf den See, lauschte den Vogelgeraeuschen und machte einige Fotos.
Zurueck im Hostel packte ich meine Sachen zusammen und checkte aus. Mit dem Bus fuhr ich direkt zurueck nach San Salvador. Doch diesmal hatte ich mein Portemonnaie im Rucksack.
Am Montag, den 21. Juni, verliess ich das Haus von Alberto und machte mich auf den Weg zur Grenze nach Honduras. Ich hatte geplant, eine Rundfahrt in Honduras durchzufuehren. Dazu wollte ich erst die Copán Ruinas besichtigen und danach ueber “Gracias” die “La Ruta de Lenca” bis zur salvadorischen Grenze entlangfahren. Doch erstes kommt es anders und zweitens als man denkt! Gegen 9 Uhr fuhr ich mit dem Bus zum Busbahnhof. Die Passagiere waren so nett zu mir. Sie stellten viele Fragen und zeigten mir die Bushaltestelle, die zum Busterminal aussteigen soll. Da ich mich meistens hinter den Busfahrer setze, war ich der letzte Passagier im Bus. Der Mann, der vor mir lief, entschied sich um und setzte sich wieder hin. Komischerweise setzte er sich quer zum Bus, liess mich durch und stand hinter mir wieder auf. Ich hatte mir dabei nichts gedacht, bis ich im Busterminal nach meinem Portemonnaie greifen wollte. Ich wurde zum ersten Mal das Portmonai gestohlen. Normalerweise gebe ich grosse Acht, besonders wenn viele Leute um mich herum sind. In Bussen halte ich das Portemonnaie oft in meiner Hand. Aber diesmal steckte ich es in meine Hosenbeintasche, bei der der eine Knopf kaputt gegangen war, weil gerade mal 8 Leute im Bus sassen. Intuitiv hatte ich am Morgen in mein Portemonnaie nur US$ 11 reingesteckt und meine Visa-Banksparkarte. Ich beware meine Bankkarten stets in unterschiedlichen Taschen auf. Dumm nur, dass ich gerade die Postbanksparkarte aufgeladen habe und jetzt nicht mehr an das Geld rankomme. Ich konnte nichts daran mehr aendern und stieg in den Bus zur Grenze nach Honduras. Unter all den fliegenden Haendlern die Lebensmittel verkaufen, stieg eine junge Frau ein und verkauft Portemonnaie fuer US$1. Somit hatte ich ruckzuck ein neues Portemonnaie und gab den Meisterdieben eine neue Chance, mich zu beklauen. Die Fahrt nach “El Poy” zog sich lange hin. Erst gegen fruehen Nachmittag erreichte ich den Grenzuebergang. Im Immigrationsoffice zeigte ich mein Passport und dachte, dass alles ganz reibungslos vonstatten geht. So war es nicht. Erpresserisch wurde mir die Einreise nach Honduras verwehrt, weil ich mich weigerte ein weiteres Mal Eintritt fuer Honduras zu bezahlen. Laut dem CA-4 (Central America 4) Abkommen duerfen Touristen 90 Tage in Nicaragua, Honduras, El Salvador und Guatemala aufhalten und muessen nur einmal Eintritt bezahlen. Auf dem Weg nach El Salvador wurde schon einmal auf mich eingeredet, dass ich US$3 Eintritt bezahlen muss. Ich habe die Dame hinter der Glasscheibe im Immigrationsoffice gefragt, ob ich den jedes Mal Eintritt bezahlen muss. Wenn es dicke kommt, muesste ich naehmlich 5 Mal Eintritt bezahlen. Die Dame aber tat so, als ob sie nichts verstehe. Nun weiss ich warum. Nun aber stand ich an der Grenze und die Maenner von der Immigration liessen mich perdu nicht durch. Von Mal zu Mal wollten sie mir einen Beweis erbringen, dass es dieses Gesetz nicht gaebe. Doch das konnten sie nicht. 24 Touristen hatte die Grenze an diesem Tag nach Honduras ueberschritten. Sie zeigten mir die Belege. Darauf meinte ich, dass 24 Touristen sich nicht mit den Gesetzen auskennen. Ich verlangte, mit der Polizei sprechen zu duerfen. Die Polizei von Honduras befand sich hinter der Grenze, so dass ich erst bezahlen sollte und dann wieder zurueck kommen muesste. An der Grenze sprach ich mit der salvadorischen Polizei. Die Beamten waren sehr nett und freundlich. Sie bestaetigten mir das Abkommen und belaechelten die Vorgehensweise der Kollegen aus Honduras. Mir blieb also nichts anderes uebrig zu bezahlen oder wieder umzukehren. Da ich auf Erpressungen empfindlich reagiere und manchmal ein Sturrkopf bin, drehte ich mich um und verzichte lieber auf Honduras, wenn sie es so wollen. Ich bin nicht auf Honduras angewiesen, da ich auch ueber El Salvador nach Guatemala einreisen kann. Nun hatte ich ein Problem, weil ich zuvor meine Dollar in Limpira getauscht habe. Nun musste ich sie wieder in Dollar wechseln. Der erneute Umtauschverlust haette mich ueber US$4 gekostet und somit waere der Verlust hoeher als die Einreisegebuehr. Doch ich wollte genau in einer Woche erneut an diesem Grenzuebergang stehen. Und dann eventuell nochmal. Als ich gerade darueber nachdachte, kamen zwei junge Norweger an. Diese fragte ich, ob sie mir meine Limpira aufkaufen wollen. Sie willigten ein und ich bekam sogar auch einige Quetzales (Waehrung in Guatemala). Fuer die Geste schenkte ich ihnen eines meiner Lonely Planets fuer Mittelamerika. So waren zum Schluss alle zufrieden und mein Frust ueber das Immigrationsbuero und ueber den Diebstahl verflog allmaehlich. Ich setzte mich in den Bus wieder zurueck nach San Salvador. Spontan entschie dich mich um und beschloss einige Tage in Suchitoto zu verbringen. Die alte Stadt befand sich auf dem halben Weg zu San Salvador. Was ist wohl das Dritte, werden Sie sich wohl fragen!?! In Suchitoto bekam ich via Email aus Deutschland endlich eine Information, was denn mit meinem Zwischenmieter sei. Seit 1 Monat habe ich kein Kontakt und seine Rechnung lief nun auf 1000 Euro an. Seine Freunde wissen auch nicht von ihm. Er ist seit einem Monat spurlos verschwunden und sie ”rechnen mit dem Schlimmsten”. So wie es aussieht, werde ich einen Schaden in Hoehe von 2200 Euro erleiden.
Am 17. Juni fuhr ich mit dem Bus erneut nach San Salvador. Ich hatte beschlossen, meine netten Bekannte aus San Salvador ein weiteres Mal zu besuchen. Sie wollten mir noch mehr von ihrem Land erzaehlen und vor allem wollten sie mit mir an diesem mit mir Freitag ausgehen und mir ihren Lieblingsclub „Café La „T”“ (gesprochen: Café Late) zeigen. Selbstbewusst und zielstrebig fuhr ich zum Haus von Alberto. Ich genoss die Blicke der Leute, die sich wunderten, dass ein Auslaender sich in diesen Stadtteil verirrte und dann ganz normal lief. Zum Glueck war jemand aus der WG zu Hause und konnte mir die Tuer offnen. Froh gelaunt betrat ich das Haus und meine Laune drehte sich blitzschnell um 180 Grad. Ich hatte letztes Wochenende gekocht und hatte die Toepfe stehengelassen, weil noch ein Rest drin war. Nun war der Rest zwar aufgegessen, jedoch wurden die Toepfe nicht gereinigt und waren von Schimmel uebersaeht. Es stank widerlich. Die Bakterien und Schimmelpilze hatten mit dem Aluminiumtopf reagiert. Noch nicht mal angekommen, da stand ich erneut in der “Kueche” und reinigte. Entschuldigung, aber die Wohngemeinschaft ist ein Saustall. Ich brauche es nicht 100%ig rein, so lange es hygienisch ist. So war es nicht letztes Wochenende und nicht dieses Wochenende. Es leben mindestens 6 Leute in der Gemeinschaft und Alberto, mein Freund, scheint der Einzige zu sein, der sauber macht. Selbstverstaendlich ist er nicht die Putze und raeumt hinter ihnen her. Darum befinden sich ueberall Spinnennetze, Muellhaufen im Garten, Ameisenstrassen in der Kuehe und lebende Kulturen im Kuehlschrank. “Ich bin nur ein Gast!”, redete ich auf mich ein. Nach bestimmt 2,5 Stunden hatte ich Toepfte gereinigt, desinfiziert und hatte im Supermarkt Lebensmittel eingekauft. Per aPeu kamen nun die Bewohner von der Arbeit oder von der Univerisitaet nach Hause. Mein enttaeuschte angeekelte Laune verfluechtete sich immer mehr. Wir fanden Zeit zum hinsetzen und quatschen. Inzwischen freute ich mich auf den Abend und machte mich ausgehfertig. Abends fahren keine oeffentliche Busse, so dass ich die Chance bekam, weitere Freunde von Alberto kennzulernen, die ein Auto besassen. Wir fuhren zum angesagtesten Schuppen in San Salvador, dem “Café La „T“”. Von der ersten Sekunde an mochte ich die Atmosphaere und sogar die Musik. Sie spielten Salsa und nicht Reggeaton, wie sonst verbreitet in Sued- und Zentralamerika. Mit einer wunderschoenen Frau machte ich meine ersten Tanzerfahrungen. Erst um 3 Uhr kam ich ins Bett und musste schon sehr frueh aufstehen, weil Samstags in der Universitaet ein Deutschunterricht stattfindet, an dem ich mich beteiligen kann. Alberto ist dabei Deutsch zu lernen und Thure, ein Mitbewohner aus Deutschland, der seine Zivildienst in El Salvador ableistet, ist sein Lehrer. Ich fuhr deshalb noch verschlafen mit Thure zu Universitaet, die eher den Namen einer Kleinstadt verdient. Der Deutschkurs wird von der deutschen Botschaft finanziert und zur Zeit noch von Ehrenamtlichen geleitet. Die Deutschschueler bestanden aus einem gemischten Haufen aus unterschiedlichen Altersstufen. Sie waren alle so nett. Ich hatte in den 90 Minuten zweimal die Chance vor der Klasse etwas zu erklaeren. Nach dem Kurs gingen Alberto, Thure, einige Mitschueler und ich erst etwas essen und dann zum Sportrestaurant, um das Fussballspiel Cameron gegen Daenemark anzuschauen. Bei gezapften Bier und Snacks verfolgten wir das Spiel. Claudia kam spaeter hinzu. Nach dem Spiel fuhr ich mit Claudia, Matha und Alberto zur „Puerta del Diablo“. Es scheint am Wochenende ein beliebter Ausflugsort zu sein. Von diesen Bergen aus hat man einen gigantischen Blick auf San Salvador... ...und auf die Vulkanlandschaft auf der anderen Seite.
Der Vulkan de San Vicente (Chichontepec) war mit Wolken leicht verdeckt. Wir sassen auf dem Berg und genossen die einmalige Aussicht auf El Salvador. Auf dem Heimweg ueberfiel mich die Muedigkeit. Ich war wirklich froh, dass ich am Vortag vorgekocht habe. Als ich zum Essen lief, stellte ich fest, dass jemand im Haus zich bedient hatte. Da war ich ganz schoen bedient. Die Mitbewohner koennen doch nicht einfach fremdes Essen essen. Doch, koennen sie. Wie ich hoerte, denken sie sich nichts dabei. “Da must du es wegstellen.” Mit Wasser konnte ich die Tomatensosse strecken und hatte noch einige Pasta uebrig. Puenktlich zum Abend fing es wieder an zu regnen. Wir hatten an diesem Abend geplant, in einen Billardsalon zu gehen. Diesmal holte uns ein anderer Freund von Alberto mit einem Auto ab. Es war ein fetter Mann, der ueberhaupt nicht wie ein Anwalt aussah. Er war es aber. Wir spielten einige Partien. Am Sonntag konnte ich einigermassen ausschlafen. Die meisten Hausbewohner waren schon fruehzeitig aufgestanden und hatten das Haus verlassen. Fuer mich war es ein typischer Gammelsonntag. Ich brauchte das. Ich war es ueberhaupt nicht gewoehnt, staendig mit Leuten zusammen zu haengen und kaum mal fuer mich alleine zu sein. Fuer die El Salvadorer ist es jedoch ungewoehnlich am alleine zu sein. Man trifft sich und faehrt irgendwo hin. Alberto hat dafuer immer seine Zahnbuerte und –pasta dabei. Waehrend die Anderen sich schon auf eine Arbeitswoche einstellten, plante ich ganz spontan meinen Trip nach Honduras. Da ich dabei erneut nahe an El Salvador kommen werde, beschloss ich einfach am Freitag wiederzukommen, wenn es heisst: Café La “T“!!! Das erzaehlte ich aber nicht den Anderen.
Am Freitagmorgen, des 17. Junis, stand ich fruehzeitig auf und machte mich auf den Weg zureuck nach San Salvador. Fuer den Rueckweg hatte ich mir einige Zwischenstopps einfallen lassen. Zunaechst wollte ich mir die “Ruinas de Tazumal” in Chalchuapa anschauen und danach die “Ruinas de San Andrés”. In Tacuba goennte ich mir noch ein grosses Fruehstueck und ging zum Bus. Nach ca. einer Stunde kam ich in Chalchuapa an. Im Bus wurde ich gewarnt, wie gefaehrlich die Stadt sein kann. Ich kann mir e simmer kaum vorstellen, dass El Salvador gefaehrlich ist, wenn nahezu alle Leute, die ich getroffen habe, so nett und gastfreundlich zu mir waren. Trotzdem stieg ich aus dem Bus aus und fragte mich durch. So schwierig war es gar nicht, sie zu finden. Mitten in einem Wohngebiet sah ich hinter einem Staheldrahtzaun die Ruinen stehen. Am Eingang standen zwei stark gewaffnete Securitymaenner. Ich erfuhr, dass ich mich noch etwas gedulden muesste, weil gerade Mittagspause war. Darum schlenderte ich etwas an den Marktstaenden entlang und verkuerzte somit die 40 Minuten Wartezeit. Um 12 Uhr oeffneten sie die Tore und erst jetzt erfuhr ich, dass der Eintrittspreis US$3 betraegt. Das war mir einfach zu teuer. Im Internet lass ich zufuhr, dass die Ruinen zwar sehr gross sind, aber nicht besonders nett anzusehen seien. Sie sollen ganz schoen zerfallen sein und man sieht sie nur weit entfernt. Ist das vielleicht der Grund, dass ich von dieser Ruine nur durch Zafall etwas gelesen habe? In meinen Reisefuehrern findet man nur eine Beschreibung, wenn man von den Ruinen weiss. Tuzumal bedeutet uebersetzt: “Pyramide, in der die Opfer verbrannt wurden”. Archaeologen bestimmten, dass vor 5000 BC. die ersten Siedler das Gebiet aufsuchten und in einer Periode von ueber 1000 Jahren genutzt wurde. Die die El Salvadorer soll die Ruinen sehr wichtig sein. Wie schon gesagt, ergibt es keinen Sinn, warum die Ruinen sich dann in so einem schlechten Zustand befinden. Bei den “Ruinas de San Andrés”, die ich danach besucht habe, sah die Anlage schon eher wie ein Highligt aus. Mir waren die US$3 zuviel und wollte gerade gehen, als ich entdeckte, dass man die Ruinen auch von der Strasse besichtigen kann. Ich schnappte meine Kamera und machte einige Fotos.Eine Denktafel erinnert an den Besuch der Ruinen durch Che Guevara.Ich hatte genug gesehen und machte mich nun auf den Weg zu den “Ruinas de San Andrés” auf. Der Busfahrer liess mich mitten auf dem Highway raus, an dem sich der Eingang zum Gelaende befand. Diesmal musste und wollte ich die US$3 an der Kasse bezahlen. Meinen grossen schweren Ruecksack durfte ich abstellen. Ich Weg fuehrte mich zu den Maya Ruinen von 600 bis 900 A.C.. Wissenschaftler gehen davon aus, dass an diesem Ort 12.000 Menschen gelebt haben muessen. 1977 wurden die Pyramiden durch Zufall entdeckt, die vollstaendig ueberwachsen waren. Der hellgruenleuchtende Rasen und der blaue Himmel gaben den richtigen Kontrast.Ich genoss den Besuch, hatte jedoch keine Zeit, sie laenge zu studieren. Als ich die Toilette aufsuchte, wusste ich warum ich einen hoeheren Eintritspreis bezahlen musste. Es gab fuer die Touristen eine eigene Toilette. Sie war hell, sauber, gefliesst und das Wasser im Waschbecken kommt aus einem Hahn. Ein Schild wiess daruf hin, dass das Waschbecken nur so schmutzig aussieht, weil im Wasser zu vieler Mineralien enthalten sind. Naja. Im Hintergrund hoerte ich ein Gewitter ankommen und spielte mit dem Gedanken “Joya de Cerén”, Pompeii of America, auch noch zu besuchen. Als der Mann am Eingang mir den Weg beschrieb und ich so grosse Schwierigkeiten hatte, auf dem Highway einen Bus anzuhalten (erst der 7. Busfahrer hielt), entschied ich mich dagegen und fuhr direkt nach San Salvador.
Am 17. Juni beschloss ich einen Ausflug nach Concepción de Ataco und nach Juayúa zu machen. Beide Orten liegen auf der 36km langen Ruta de las Flores (Strasse der Blumen), die besonders zwischen Oktober und Februar in voller Farbenpracht steht. In meinem Hostel wurde ich schon wieder sehr frueh geweckt. Erst laermten um 5 Uhr morgens die Tiere und dann wurde die Familie im Haus wach. Aus dem fruehzeitigen Starten klappte es nicht, weil ich durch die Ohrstoepsel den Wecker nicht gehoert habe. Kurz nach 9 Uhr ging ich zur Hauptstrasse und bekam den gerade startenden Bus. Nach einstuendiger Fahrt erreichte ich die Stadt "Concepción de Ataco".Vom ersten Moment an mochte ich die Stadt. Die farbenfrohen Haeuser gefielen mir. Ich lief eine Stunde umher und machte viele Fotos.
"Gringas im Lolita"
Der Konsum ist noch nicht ueberall ausgestorben.
Restaurant "Po Puller"... Sorry "Po Pular"
Dann nahm ich den Bus zur Stadt "Juayúa". Ich fand sie nicht ganz so romantisch wie Ataco,......jedoch war mein Hauptgrund des Besuchs die Wanderung zum Wasserfall "Seite Casadas" (spanisch fuer sieben Wasserfaelle). Nach meinem verspaeteten Fruehstueck......erkundigte ich mich nach dem Weg. Nur mit Muehe verrieten sie mir die Richtung und sie meinten, dass ich nicht alleine gehen soll. Es sein viel zu gefaehrlich. Aber wenn ich fuer US$2 Dollar ne Tour buche, dann ist es nicht gefaehrlich. Ich liess mich nicht einschuechtern und lief in Richtung Wasserfall. Wenn ich mir unsicher war, fragte ich die Leute. Als ich die Stadt immer weiter verlassen hatte, sah ich einen Mann am Wegesrand arbeiten. Er fragte mich, wohin ich wolle. Ich sagte ihm meine Absichten und auch er riet mir davon ab. Die Raeuber wissen, dass viele Touristen zum Wasserfall laufen und warten einfach nur drauf. Sie springen bewaffnet aus dem Wald und rauben die Taschen und Kameras. Erst letztes Wochenende soll es erneut passiert sein. Nun wurde mir es doch mulmig. Dann bot er mir an, dass er mich fuehrt. Ich fragte ihn, warum die Raeuber uns dann nicht auch ausrauben. Da meinte er nur, dass er ja mit seiner Machete ebenfalls bewaffnet sei. Vielleicht war er einer der Raeuber, der heute seinen freien Tag hatte. In diesem Augenblick kam ein Paerchen aus Hongkong an. Nach einem kurzen Gepraech beschlossen wir gemeinsam den Weg zum Wasserfall zu laufen. Nur wussten wir immer noch nicht den Weg. Der Mann, der uebrigs William heisst, wollte uns erst fuer US$5 pro Person fuehren. Wir drueckten den Preis auf US$3 und gingen dann zu viert los. Schnell merkten wir, dass wir uns ganz schnell verlaufen haetten. Es war wirklich schwierig, den Weg zu finden. Es gab zu viele Abzweigungen. Nach einer Stunde, mehreren Flussueberquerungen und verschluckte Spinnen(-netze) erreichten wir endlich die sieben Wasserfaelle. Auf Fotos, die ich mir zuvor im Netz angeschaut habe, sahen die Wasserfaelle eindrucksvoller aus. Ich wollte nicht mit meinen Klamotten weiter durch den Fluss laufen und das Paerchen aus Hongkong auch nicht. William war das wohl egal und sprang einfach ins Wasser. Wir machten uns danach wieder auf den Rueckweg und liefen diesmal einen anderen Weg. Nur selten entdeckte ich tolle Natur.Mit dem Bus fuhr ich wieder den langen Weg nach Tacuba.