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Mittwoch, 21. Oktober 2009

Busfahrt von Ushuaia nach Puerto Natales

Am 20. Oktober sollte ich endlich Abschied von Ushuaia bzw. von Argentinien nehmen. Von den ganzen Problemen, die entstanden sind, hatte ich kaum Zeit richtig Abschied zu nehmen. Zu dem war ich total müde. Mein Bus sollte zwischen 5.30 und 6 Uhr morgens kommen. Schon um 5.20 Uhr stand der Fahrer vor der Tür. Ich sagte ihm, dass ich noch 5 Minuten bräuchte. Als ich gerade aus dem Hostel rausgehen wollte, sah ich ihn gerade losfahren. Wütend ging ich wieder zurück ins Hostel. Kaum war ich drin, sah ich ihn erneut vorbeifahren, weil der Fahrer den Wagen am Kreisverkehr gedreht hatte. Streß schon am frühen Morgen. Na schön!?! Meine Hostelbesitzerin, im Morgenrock und Bademantel, rief bei der Argentur an und richtete mir aus, dass ich ein Taxi nehmen sollte. Also nahm ich ein Taxi zum Office. Dort wollten sie erst nicht die Taxikosten bezahlen, weil ich nicht zur Abfahrt bereit war. Zum Schluss blieb ihnen nichts anderes übrig, als zu zahlen. Mit dem Bus ging es vom Office zur Stadt Rio Grande, zum ersten Buswechsel. Dort stand ich als Zweiter ne halbe Stunde am Schalter. Als ich endlich dran kam, erfuhr ich, dass ich hier kein Busticket nach Puerto Natales kaufen könne. Dies sei erst in Punta Arenas möglich. Nur zu dumm, dass Punta Arenas in Chile ist und ich haufen argentinische Pesos habe. Die Grenzüberquerung ging relativ schnell von statten. Diesmal gab es keine Lebensmittelkontrollen. Ich hätte also ruhig Essen mitnehmen können. Stattdessen erreichte ich vollkommen übermüdet und hungrig gegen 17.50 Uhr Punta Arenas. Um meinen Anschlussbus, bei der selben Buscompany, zu bekommen, hatte ich 10 Minuten. Am Schalter stand ausgerechnet schon wieder die Frau vor mir, die schon in Rio Grande zu halbe Stunde brauchte. Zum Glück ging es schneller. Ich könne ein Busticket kaufen, doch sie akzeptierten nur chilenische Pesos. Es wäre kein Problem. Ich könne zum nächsten Block laufen und Geld wechseln. Also rannte ich den Block herunter. Am Fast Food Restaurant machte ich einen kurzen Stop und bestellte schnell etwas Essen für mich und für den anderen Deutschen Valery im Bus. Kaum hatte ich die Bestellung aufgegeben, befand ich mich wieder auf dem Marathonlauf. Eine Bank kam einfach nicht. Ich fragte die Leute auf der Straße und sie erklärten mir den Weg. 3 Blocks weiter fand ich schließlich mehrere Banken auf einmal. Dann ging es den Weg wieder zurück. Nur zu dumm, dass ich mich jetzt auch noch verlaufen habe. MIERDA!!! Wieder halfen mir einige Passanten mit dem Weg. Im Restaurant legte ich schnell das Geld auf den Tisch und rannte mit dem Essen zum Busunternehmen. Doch... ich kam zu spät. Sie haben nicht mal 5 Minuten warten können. Normalerweise brauchen sie immer 5-10 Minuten länger. Nun habe ich den anderen Deutschen verloren. Zudem hatte ich 4 Tüten voller Essen und der nächste Bus startete erst in 90 Minuten. MIERDA!!! Warum ich nicht schon ein Busticket in Ushuaia gekauft habe?!? Ich hatte nicht so viel Geld dabei. Ich bin von einem Busticketpreis ausgegangen, der mir gesagt wurde. Ich konnte nicht ahnen, -doch eigentlich schon, ich bin ja auch schließlich in Argentinien- dass sie schon wieder die Preise angehoben haben. Die letzten 2 Jahre wurde alles um 50% angehoben und innerhalb von 4 Jahren um 100%. Die Tendenz zeigte sich auch bei Museums- und Nationalparksticket. Deshalb stand ich in Ushuaia vor der Wahl, alle Bustickets jetzt zu kaufen oder das letzte der drei in Punta Arenas. Von dem ersparten Geld habe ich mir sattdessen Postkarten und Briefmarken gekauft. Der ganze Stress war es mir wert. Ich kam dann eben 90 Minuten später in Puerto Natales an, also um 22.30 Uhr. Was für ein Tag? Ich weiß jetzt schon, was ich den ersten Tag in Chile machen werden: aussssssschlaaaaaafennnnn!!!! Kaum war ich in Puerto Natales angekommen, umlagerten mich viele Frauen mit Hostelangebote. Doch eine sprach mich mit meinem Namen an. Das war ja echt super, dass ich persönlich vom Busbahnhof abgeholt wurde. Lustigerweise hatte Valery im selben Hosten eingecheckt. Was für ein Zufall?

Dienstag, 20. Oktober 2009

Ushuaia - El Fin Del Mundo

Am 17. Oktober erreichte ich gegen 22 Uhr Ushuaia.
Das Wort "Ushuaia" kommt aus der Sprache der Ureinwohner Yámana und bedeutet "Die zum Sonnenaufgang hin gewandte Bucht“.

Panorama von XXX
Panorama von Ushuaia

Nach 19 stündiger Busfahrt stand ich mitten in der südlichsten Stadt der Welt. Wie ich später erfuhr, ist sie „nur“ die größte südlichste Stadt der Welt und der Anfang von allem. Die Kleinstadt Puerto William und kleine Städtchen auf dem Südpol befinden sich noch weiter südlich von Ushuaia. Zum dem liegt Puerto William in Chile und kann schon deshalb nicht die Auszeichnung „El Fin Del Mundo“ tragen. So wurde es mir mit einem Augenzwinkern erklärt. Ganz offiziell ist Puerto William die südlichste Stadt der Welt. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass ich in Ushuaia nicht das günstigste Hostel nehmen sollte. Wenn ich mich schon in der nähsten Stadt zum Südpol befinde, dann wollte ich nicht auf ein warmes Bett und auf eine heiße Dusche verzichten. Ich entschied mich für das schneesichere Hostel „La Posta“,..
...dass mir auch schon in Buenos Aires empfohlen wurde. Lustigerweise war ich nicht der Einzige im Bus, der in diesem Hostel eine Reservierung abgegeben hatte. Ich bekam ein schönes warmes Zimmer mit Highspeed Wlan Internetverbindung. Am nächsten Morgen wollte ich eigentlich nach einer so langen Reise entspannen. Als ich mir den Wetterbericht für die nächsten Tage anschaute, mußte ich feststellen, dass ich lieber meinen Chill Out Day verschieben sollte. Der Wetterbericht verspricht nicht gutes für die nächsten Tage. Nach einem leckeren reichhaltigen Frühstück nahm ich einen öffentlichen Minibus zur Innenstadt. Der Busfahrer fuhr dabei nicht den schnellsten direkten Weg, sondern fuhr all die kleinen Seitenstraßen ab. Auf meiner sogenannten Stadtrundfahrt sah ich die Stadtteile außerhalb der Touristenmeile. Genau so stelle ich mir die abgelegenen russischen Städte auch vor. In der Luft lag so ein Gefühl von *Am Arsch der Welt*. Doch genau dieses Gefühl wollte ich schnuppern und sehen, wie die Menschen hier in der Einöde leben und gelebt haben.
Neben der Stadt gibt es 2 weitere Hauptattraktionen. Zum einen gibt es den Nationalpark „Tierra del Fuego“ und zum anderen eine Bootsfahrt auf dem berühmten „Beagle Kanal“. Der Nationalpark soll eines der schönsten Parks in Argentinien sein. Aber bestimmt nicht jetzt im Winter, wenn alle bunten Pflanzen sich unter einer Schneedecke verstecken. Zu dem ist der Eintrittspreis für argentinische Verhältnisse mit 50 Pesos (=10 Euro) unvorstellbar hoch. Stattdessen entschied ich mich, für 145 Pesos lieber eine 4stündige Bootsfahrt auf dem Beagle Kanal zu machen. Vor meiner Reise hatte ich von diesem Kanal schon einmal etwas gehört. Doch über die Bedeutung des Kanals war ich mir nicht bewußt. Entlang des Beagle -Kanals und der benachbarten Kanäle von der Halbinsel Breecknock bis zu den Wollaston Inseln bei Kap Hoorn lebten vier ethnischen Gruppen, die bis Anfang des 20. Jahrhunderts auf Feuerland siedelten. Eine Ureinwohnergruppe war der Stamm der Yámana, die im Zuge der Besiedelung durch weiße Siedler bereits Anfangs des 20. Jahrhunderts fast vollständig ausgerottet wurden. Über Jahrhunderte lebten die Seenomaden im Einklang mit der Natur. Während die Männer für die Jagd verantwortlich waren, tauchten die Frauen im eiskalten Wasser nach Muscheln und Krebsen. Als ich in einem Touristeninformationscenter mein erstes Foto von den Yámana sah, dachte ich mir, dass sie nicht anderes aussehen, als die Ureinwohner im Amazonas. Sie liefen ebenfalls vor allem nackt herum......und lebten in kleinen Hütten.
Und bei festlichen Ereignissen wurde der Sonntagsanzug herausgeholt.
Erst Stunden später stockte mir der Atem. Sie liefen nackt herum!?! Ich befand mich nicht im Amazonas, sondern relativ nahe am Südpol. Ich fror selbst noch mit meinen Hightech Sachen. Eine Begründung für den nudistischen Lebenswandel konnte ich in Erfahrung bringen. Wenn sie Sachen trügen, dann könnten diese bei diesem Wetter nicht so schnell trocknen, da die Yámana sich hauptsächlich auf dem Meer aufgehalten haben. Die ersten Europäer, die den Yámana begegneten, war eine holländische Expedition, die 1624 in der Nähe von Kap Hoorn auftauchte. Mit dem Aufkommen der Schnellsegler und der Waljagd Ende des 18. Jahrhunderts kam es zu regelmäßigen Kontakten zwischen den Europäern und den Yámana. Bei Ankunft der ersten Siedler um 1884 brach eine Masernepidemie aus, die fast die Hälfte der insgesamt auf 1000 Personen geschätzten Yámana tötete. Ebenso trug die den Indianern durch Missionare überlassene Kleidung zur Ausbreitung der Epidemie bei. Die nunmehr forcierte sesshafte Lebensweise und der Wechsel der Ernährungsweise -von vorrangig tierischen Fetten zu pflanzlichen Produkten- verschärfte den schlechten Gesundheitszustand der Überlebenden. Die Ureinwohner bekamen Skrofulose, Lungenentzündung und Tuberkulose. Um 1911 lebten deshalb nur mehr rund 100 Yámana. Die letzte Yámana, die noch den ursprünglichen Lebensstil pflegte, starb 1983. Mit dem geschichtlichen Vorwissen, wollte ich mir nun den Lebensraum näher anschauen. Am Hafen boten eine Vielzahl von Bootscompanies eine Tour an. Die Angebote reichten von einem 10 Personen Boot bis zu einem 200 Personen Schiff.
Ich entschied mich sofort für das kleine 10 Personen- Boot, weil diese Comapany eine Sondererlaubnis hatte, mit seinen Gästen auf einer bestimmten Insel wandern gehen zu dürfen. Leider wurde die Fahrt in letzter Sekunde abgesagt. Als gerade ein anderes kleines Boot ablegen wollte, durfte ich gerade noch so draufspringen. Die Fahrt war recht OK. Anstatt mir diesen Leuchtturm anzuschauen...
...wäre ich lieber noch mehr um die Inseln herum gefahren und hätte mir die Tiere besser angeschaut. Auf den Inseln leben heute Seerobben......Komorane...
...und viele andere Vögelarten. Lustig fand ich diese Vögel, die keine Flügel hatten.
Nun kann ich verstehen, warum Charles Darwin auch hier Schiffsreisen unternahm. Am darauffolgenden Tag hatte ich nun Zeit und Lust mit die Stadt anzuschauen. Die alten Häuser, Schiffswracks und die Graffitis an den Wänden erinnern von dem Leben ab dem Jahre 1870.
Englische Missionare drangen immer weiter in das Gebiet vor und 1884 eroberten die Seestreitkräfte „Ushuaia“ für Argentinien. Von den Yámana Ureinwohner lebten schätzungsweise nur noch 1200 von anfangs 3000-4000. Für die Stadtentwicklung bedeutsam war der 1902 begonnene Bau des Presidio. Dieses 1920 fertig gestellte Gefängnis...
...ersetzte jenes auf der Isla de los Estados. Die Sträflinge, überwiegend Gewaltverbrecher, aber auch politische Gefangene,...
...bauten die Schmalspurbahn Ferrocarril Austral Fueguino, mit der heute Touristen durch den Nationalpark Tierra del Fuego fahren. Das Gefängnis wurde 1947 aufgelöst. Heute ist das Gefängnis ein Museum und wenn der Eintritt nicht so teuer wäre, wäre ich hinein gegangen.
Von Ushuaia aus starten die Schiffsreisen zur Antarktis. Gerne hätte ich mit den Pinguinen einen Polka getanzt,...
...doch die Preise bewegen sich bei US$12.000 und mehr. Als Alternative würde sich nur das Fitnessstudio eignen.

Interessant fand ich die Zeitkapsel. Am 2. Oktober 1992 wurden auf diesem Platz eine Zeitkapsel vergraben. Erst im Jahre 2492 wollen sie diese wieder ausgraben. Wüßte zu gerne, was drin ist.

Nach ein paar Tagen drückte es wieder in meinen Reiseschuhn. Ich habe alles gesehen, was ich sehen wollte. Das war meine letzte Stadt in Argentinien. Ich glaube, ich bin verliebt.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Busfahrt von El Calafate nach Ushuaia

Die Fahrt zur südlichsten Stadt der Welt glich einer Abenteuerreise. Pünktlich um 3 Uhr startete mein Bus zum El Fin del Mundo (Ende der Welt). Ja, 3 Uhr morgens. Die letzten Stunden bis zur Abfahrt konnte ich mit Playstation spielen recht gut überbrücken. Alles andere hätte mich sofort in einen Tiefschlaf versetzt. Nach 4 ½ stündiger Busfahrt bzw. Schlaf erreichte ich Rio Gallegos. An diesem Busbahnhof mußte ich schon auf dem Hinweg umsteigen. Wenn ich Rio Gallegos beschreiben müßte, dann fallen mir nur diese Worte ein: häßlich, bitter kalt, ungemütlich und „Wann kommt endlich der Bus?“ War etwas positives dabei? Ich glaube nicht. Nach einer Stunde warten, kam endlich mein Bus, der mich direkt nach Ushuaia fahren sollte. Ushuaia liegt nicht mehr in Patagonien, sondern auf Tierre del Fuego (Feuerland).
Getrennt wird das Festland von der Insel Feuerland durch die sogenannte Magellanstraße (V-förmig).
Die Fahrt könnte so unkompliziert sein, wenn nicht die komplette Magellanstraße seit 1881 zu Chile gehören würde. Siehe die eingezeichneten Ländergrenzen auf der Nasa- Satellitenkarte. Deshalb muss man auf dem Landweg die Grenze nach Chile überqueren.
Dann fährt man ein paar Stunden durch einsame chilenisches Steppe...
...in der der kalte Wind so stark bläst, dass man froh ist, nicht auf einem Fahrrad zu sitzen.

Höchstens aber mit Rückenwind. Nach der Fahrt in der Einöde, erreichten wir schließlich wieder Argentinien. Ab jetzt waren es nur noch 303km bis Ushuaia.

Für das jeweilige Staatengehüpfe bekam ich gleich 4 neue Reisestempel in meinen Reisepass. Für Argentinien war dies mein 7er Stempel. Ganz schön rekordverdächtig. Aber so lange es nicht Bolivien ist (Kokain), stellt dies kein Problem da. Dafür aber ein ganz anderes Problem. Beim Überqueren des chilenischen Territories, ist die Mitnahme von Obst, Gemüse und Tierprodukte (Fleisch, Käse etc.) verboten. Das ist wirklich eine nette Regelung, wenn man eine Busfahrt von 3 Uhr (morgens) bis 21.30 Uhr hat!?! Da ich mich nicht nur von Brot, Schokolade und Wasser ernähren möchte, mußte ich mal wieder schmuggeln. OK, es gab im Bus Crousants und Sandwiche mit Wurst. Wenn die chilenischen Kontrolleure wüßten, dass ich eine Tupperdose voll mit gebratenen Gemüse, Kartoffeln und Ei im Rucksack hatte,...dann müßten sie sich fragen, warum sie es nicht gefunden haben, obwohl sie meinen Rucksack durchsucht haben. Die Berliner Polizisten sind aber auch nicht erfolgreicher. Die ganze Prozedur mit dem rumgestempel an der Grenze hat ca. 2 Stunden gedauert. Während der ganzen Zeit, lief der Motor vom Bus. Den Off-Button kennen die Busfahrer in Argentinien wohl auch nicht? Den Höhepunkt der Reise hatte ich wohl, als ich mit der Fähre die Mangelanstraße überquerte.
Wie schon erwähnt, mußte ich mit einer Fähre die Magellanstraße überqueren.
Er herschte so ein starker Wind, dass jeder Ort für einen Spielplatz besser geeignet wäre, als dieser hier. Wenn sie stattdessen ein Trampoline gebaut hätten, dann könnten die Kinder wahre Luftsprünge machen. Kaum zu glauben, dass Fernando Magellan 1520 genau hier mit zwei Segelschiffen den engen Kanal (engste Stelle 4,5 km) durchgefahren ist. Ursprünglich hieß der 670 km lange Kanal Estreito de Todos los Santos (Kanal von Allerheiligen), weil seine Schiffe am 1. November, am Tage der Allerheiligen, bei einem Sturm in diese Bucht trieb und am stillen Ozean, den Pazifik, wieder rauskam. Noch heute wird der Kanal von vielen Schiffen durchquert, doch seine größte Bedeutung hatte sie in der Zeit vor dem Bau des Panama-Kanals. Die Magellanstraße gilt als gefährliches Gewässer. Der Unterschied im Wasserstand, der durch den südamerikanischen Kontinent getrennten Ozeane, sowie die in Patagonien herrschenden starken Winde verursachen starke Strömungen, gefährliche Fallwinde und Wellen. Leuchtürme gab es hier vor 490 Jahren nicht. Doch nachts sahen Magellan und seine Leute mehrere Feuer brennen. Daher hat noch heute der südliche Teil von Südamerika seine Namen: Tierre del Fugo (spanisch für Feuerland).

Samstag, 17. Oktober 2009

El Calafate: Perito Moreno Gletscher und Ausflug nach El Chaltén zum Mount Fitz Roy & zum Cerro Torre

Am 13. Oktober erreichte ich am späten Nachmittag die Stadt “El Calafate”. Die Fahrt, von Puerto Madryn nach El Calafate, führte an der Ostküste entlang, bis zur südlichen Stadt „Rio Gallegos“. Die Fahrt war etwas besonderes, weil ich zum letzten Mal den Sunrise in Südamerika, von der Ostküste aus, mir anschauen konnte. Doch wenn ich genau überlege, wäre ich bestimmt nicht freiwillig um 7 Uhr aufgestanden. So wichtig war es mir doch nicht. Aber schließlich saß ich im Bus und nutzte die Gelegenheit, mir erst die Morgenröte anzuschauen...
...und dann den Sonnenaufgang.
Üben elend langen geraden Straßen... ...kam ich schließlich gegen 12 Uhr in Rio Gallegos an. Die Stadt wirklich unheimlich. Es war bitter kalt und ich fühlte mich schon wie am Arsch ähhhh am Ende der Welt. Hier mußte ich eine Stunde warten, bis endlich mein nach El Calafate kam. Auf der Straße hatten einige Müllmänner Autoreifen aus Protest angezündet. Der schwarze Rauch zog über die Schnellstraße und verursachte Unsicherheit. Ich überbrückte die Zeit, in dem ich in dem gegenüberliegenden Carrefour Supermarkt etwas zu Essen und zu Trinken kaufte. Auch wenn ich mich in einer frostlosen Stadt befand, das Weinregal war gut gefüllt und bot eine unendliche Auswahl an Weinen. Nach einer Stunde kam endlich die Erlösung. Ein großer Bus sollte uns, gerade mal 5 Leute, nach El Calafate bringen. Normalerweise wäre der Bus bestimmt voller, weil El Calafate für Argentinien- Kenner eines der Haupthighlights ist. Der Grund für die magere Ausbeute lag bestimmt daran, dass die direkte Straße "R40" von Bariloche nach El Calafate aufgrund der Wetterbedingungen gesperrt war. Der Umweg hätte eine 2-3 tägige Reise zur Folge. Darum nutzten viele Reisende eher das Flugzeug als den Reisebus. Für mich war die Straßensperrung nicht von Bedeutung, da ich einen Zwischenstopp in Puerto Madryn gemacht hatte. Schon vom Bus aus konnte ich die landschaftlichen Schönheit bewundern. Da die Seitenfensterscheiben schmutzig waren, setzte ich mich ganz noch vorne, neben dem Busfahrer und machte einige Schnappfotos von der Landschaft. Die grauen Wolken verliehen der Landschaft eine triste Atmosphäre. Doch als ich die türkisen Seen sah, glaubte ich meinen Augen nicht. Der reine Wahnsinn. Da bekam ich richtig Lust auf die Stadt und war gespannt, was sie mir alles bringen wird. Natürlich war auch diese Stadt nur Nebensache oder nur Mittel zum Zweck. Interessant war die Landschaft um El Calafate herum. Drei Stunden nördlich befindet sich die Stadt "El Chaltén", von der die bekannten Wanderweg zum "Mount Fitz Roy" und zum "Cerro Torre" starten. Südlich der Stadt befindet sich der weltberühmte "Perito Moreno" Gletscher. Es gibt also einiges zu sehen. Am späten Nachmittag erreichte ich zum Sunset endlich den Busbahnhof. Müde ging ich zu meinem reservierten Hostel und checkte ein. Zeit zum Ausruhen hatte ich nicht, weil ich meine nächsten Tage organisieren mußte. Mir blieben nur noch wenige Stunden, bevor die Offices um 21 Uhr schloßen. Unter Zeitdruck versuchte ich alle Informationen zusammen zu tragen und die Preise zu vergleichen. Mühseelig und zäh bekam ich schließlich exakte Informationen. Gerade noch kurz vor Feierabend organisierte ich all meine Bustickets für meine Ausflüge für die nächsten 3 Tage und ein Busticket nach Ushuaia, zum "Ende der Welt". Ich hatte beschlossen, als erstes mit einem Bus nach El Chaltén zu fahren. Um 7.30 Uhr kroch ich todmüde zum Busbahnhof. Nach etwas Schlaf im Bus, erreichten wir nach einer 3stündigen Busfahrt, kurz vor der Stadt, einen Lookout, von dem wir aus zum ersten Mal den Mount Fitz Roy (Foto: Mitte, höchster Berg) und den Cerro Torre (Foto: linker spitzer Berg) sehen konnten.
Nach einer kurzen Einweisung im Informationscenter, wußten wir nun, dass man richtige Kleidung & Equipment braucht. Zu meiner Freude erfuhr ich außerdem, dass wir Traumwetter gerade hatten. Sonnenschein und eine perfekte Sicht auf die Berge und auf den Gletscher wurde uns prophezeit. Am liebsten wäre ich sofort losgegangen, doch ich mußte mir zuvor ein Hostel in El Chaltén suchen. Beim Suchen einer bezahlbaren Unterkunft... ...natürlich nicht... lernte ich die Kanaderin Erica kennen. Nachdem wir unsere Rucksäcke abstellten, beschlossen wir gemeinsam zum Cerro Torre (spanisch für Turmberg) zu laufen. Der Weg dort hin war wirklich schön. Wir liefen bei herrlichem Sonnenschein durch Gras- & Steppenlandschaft... ...mit feuerroten Blumen.
Nach 2 ½ Stunden standen Erica und ich...
...unmittelbar vor dem Cerro Torre.

Bei so einem Highlight durfte natürlich mein Springfoto nicht fehlen. 2 Melbourner waren genauso verrückt wie ich und wußten gleich bescheid, wie man solche Fotos macht.

Am Gletschersee traf ich den Deutschen Michael aus dem Reisebus wieder. Mit ihm liefen wir dann gemeinsam den Zusatzweg zum Gletscher. Der Trampelpfad führte immer weiter hinauf.
Je weiter wir liefen, um so mehr wurde mir bewußt, wie weit wir schon gelaufen waren.

Die Menschen am Ufer sahen aus wie zwei Steichhölzer und die Eisberg wie Eiswürfel.
Nach ca. 45 Minuten standen ähhh schwebten wir über einem großen Stein,...
...von dem wir einen direkten Blick auf den Gletscher hatten.
Noch Näher an den Gletscher kamen wir nicht. Deshalb saßen wir noch etwas auf dem Stein rum, quatschten und genossen den 180 Grad Panoramblick auf dem Gletschersee.
Panorama vom Cerro Torre
Panorama vom Cerro Torre Gletscher See

Als die Sonne immer weiter untergehen zu schien, mußten wir unseren Heimweg antreten. Schließlich dauerte der Heinweg erneut 3 Stunden. Und im dunkeln ohne Taschenlampe wollte von uns niemand zurücklaufen. Gerade noch rechtzeitig, kurz nach Sonnenuntergang, kamen wir müde & ausgelaugt in der Stadt an. In einem Supermarkt kauften wir kurz vor Feierabend die Zutaten für unser Abendbrot. Ich hatte beschlossen meine erste richtige Tortilla de Papa zuzubereiten.
Am nächsten Morgen konnten wir nicht lange in den Betten verbringen, weil wir um 9.30 Uhr, zum Mount Fitz Roy wandern gehen wollten. Für die Wanderung hatten wir 8 Stunden angesetzt. Das klingt ziemlich lange . Selten zuvor bin ich schon einmal so lange gewandert. Voller Erwartungen starteten wir unsere Wanderung bei herrlichem Sonnenschein. Sehr weit kamen wir nicht. Schon nach wenigen Metern stoppten wir, weil ein Specht in einem Baum ein Loch hackte.
Es machte mir riesigen Spaß, an einem so schönen Tag, in der Natur Wandern zu gehen.
Nach circa einer Stunde erreichten wir den ersten Lookout.
Erica & ich hatten eine super Aussicht.
Beim nächsten Lookout überredete ich Erica, auch so lustige Springfotos zu machen, so wie ich.
Für den Anfang war es gar nicht mal so schlecht. Über Stunden liefen wir ganz gemütlich und einsam den Wanderweg entlang.

Als ich gerade darüber nachdachte, wie schön es war, ohne so viele Touristen diesen Wanderweg zu laufen, sah ich auf einmal eine riesige Wandergruppe vor uns.

Während die Lemminge dem Gruppenführer folgten, ließen wir sie davon laufen und genossen dadurch wahrscheinlich (viel) intensiver die Schönheit der Landschaft.

Als es über diese Brücke ging,...
...war es mit der Gemütlichkeit vorbei. Die letzte Stunde der Wanderung ging es immer steiler hinauf. Je höher wir kamen, um so weiter konnten wir sehen. Als wir die Schneegrenze überschritten, sahen wir selbst einen weit entfernten See am Horizont. Nun sollte es nicht mehr weit sein. Und ich sollte recht behalten. Glücklich erreichten wir nach 3 ½ Stunden, vollkommen durchgeschwitzt, den Gipfel.
Die Aussicht war phänomenal.
Um noch einen besseren Blick zu erhaschen, liefen wir zum 5 Minuten entfernten anderen Piek.
Von dort aus hatten wir sogar noch einen besseren Blick auf den Mount Fitz Roy und diesmal auch auf den Gletschersee. Die 5 Minuten hatten sich wirklich gelohnt. Viele Wanderer können nach dem ersten Piek keinen Schritten mehr tun und sitzen mit Bemme in der Hand auf einem Stein. Wir stattdessen genossen unsere Ruhe bzw. unsere Erholungspause.
Auf dem Rückweg an kamen uns mehrere Tomatenköpfe entgegen. Sie strauchelten den Berg hoch und guckten neidisch auf uns, da wir den Höllenweg bestanden hatten. Aber so schlimm war er auch nicht...wenn man Nichtraucher ist. Der Abstieg war bedeutend schneller und einfacher. Unten angekommen, liefen wir diesmal einen anderen Weg zurück nach El Chaltén. Der schöne Wanderweg...

...führte zu einer Lagune, von der wir den Mount Fitz Roy ein letztes Mal sahen.
Als wir die ersten Häuser sahen,...
...durchfloss ein Glücksgefühl durch meinen Körper und setzte die letzten Kräfte frei. Glücklich, erleichtert und müde erreichte ich den Nationalpark- Ausgang.
Ohne ein Bier in der naheliegenden Hausbraverei zu probieren,...
...verabschiedete ich mich von der Erica, die einen Tag länger im Nationalpark verbringen möchte. Mit dem Bus fuhr ich wieder zurück nach El Calafate, zum Hostel. An das Verbot im Bus hat sich wirklich jeder gehalten.
Für den darauf folgenden Tag hatte ich eine Busfahrt zum Perito Moreno Gletscher gebucht. Der etwa 60 km lange & 60 Meter hohe Perito Moreno Gletscher, mit einer 5 km breiten Gletscherzunge, gehört zu einem Teil des „Campo de Hielo Sur“, einem riesigen kontinentalen Gletschergebiet in den Anden Südamerika und zum Teil des als UNESCO- Weltnaturerbe eingestuften Nationalpark „Los Glaciares“. Benannt wurde der Gletscher nach Perito Moreno (* 31. Mai 1852 in Buenos Aires; † 22. Februar 1919), einem argentinischen Geograph, Anthropologe und Entdecker Patagoniens. Sein richtiger Name ist eigentlich Francisco Pascasio Moreno. „Perito“ heißt im Spanischen „Sachverständiger“. Diese Amtsbezeichnung erhielt Moreno während der Grenzvermessung von Chile und Argentinien. Apopro „eigentlich“. Ja, eigentlich hieß der Gletscher nicht immer so. Seit seiner Entdeckung im Jahre 1899 gab sein Entdecker, der deutsche Geologe Rudolph Hauthal, den Namen „Bismarck Gletscher“, zu Ehren des im Vorjahr verstorbenen Reichskanzler Otto von Bismarck. Erst später wurde der Gletscher nach Perito Moreno umbenannt. In Deutschland war der Name Bismarck Gletscher bis mindestens 1917 üblich. Das Besondere an diesem Gletscher ist, dass er einer der wenigen bekannten Gletscher außerhalb der Antarktis und Grönlands ist, der noch kontinuierlich wächst. Und das kann man hören und sehen. Pro Tag schiebt sich die Eismasse ungefähr einen bis zwei Meter vorwärts. Dabei trifft ein Teil des Gletschers auf einen Gegenhang und blockiert so etwa alle vier bis zehn Jahre einen Nebenarm des Lago Argentino, den Brazo Rico. Dadurch steigt der Seespiegel im südlichen Teil dieses Arms an. Der Zusammenbruch dieser Barriere ist eines der eindrücklichsten Naturschauspiele und lockt jedes mal viele Touristen und Dokumentarfilmer zum Gletscher. Die letzten „Vorstellungen“ des Gletschers waren 1988, im März 2004 & 2006 und zuletzt am 9. Juli 2008. 2008 erfolgte der Zusammenbruch der Barriere erstmals im Winterhalbjahr. Jedenfalls nahm ich am Morgen den Bus zum Gletscher. Vor ein paar Jahren gab es noch einen öffentlichen Bus, aber heute bietet nur noch ein Busunternehmen die Fahrt an. Der Fahrpreis hatte sich verdoppelt, wahrscheinlich genauso der Parkeintritt. Während die Einheimischen 6 Pesos bezahlen müssen, müssen wir Touristen 60 Pesos bezahlen. Bezahlen oder zu Hause bleiben, ist wohl die Divise. Ich bezahlte und erwartete dann aber, dass der Busfahrer an den Panorama Lookouts eine Fotopause einlegt. Weit gefehlt. Er fuhr immer weiter, so dass ich nur aus dem Fenster heraus einige Fotos machen konnte.
Noch vor den Lookouts hielt der Busfahrer an einem Bootstourveranstalter an. Er gab uns 3 Minuten, um uns zu entscheiden, ob wir an der 90 minütigen Gletscherbootsfahrt teilnehmen wollen oder nicht. Spontanität ist besonders unter Druck sehr schwierig... Also ganz spontan entschied ich mich, an der Fahrt teilzunehmen. Das Boot fuhr die ganze Zeit nur hin und her. Von links nach rechts. Von rechts nach links.

30 Minuten hätten bestimmt ausgereicht. Aber dann wäre die Bar bestimmt nicht so ausgelastet gewesen. Jedenfalls war die Fahrt ganz OK, obwohl ich auf einen Whiskey mit original Gletschereis verzichtet hatte .Wieder festen Boden unter den Schuhen, brachte uns der Reisebus endlich zu den Lookouts. Der Ausblick, diesmal von oben war sagenhaft. So etwas hatte ich noch nie zuvor in diesem Umfang gesehen.
Der Perito Moreno Gletscher stellt alle anderen Gletscher in den Schatten. Alle paar Minuten hört man ein Knarren oder einen Knall, wenn erneut ein Eisblock ins Wasser gefallen ist.
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Für die Besichtigung des Gletschers gaben sie uns ca. 4 Stunden. 4 Stunden schienen für 5 Lookouts reichlich bemessen zu sein. Was soll ich denn die ganze Zeit machen, ging in meinem Kopf durch. Na den Gletscher anschauen. Was denn sonst?!? Ich fand es so spannend, auf einer Bank am Lookout zu sitzen...
...und einfach nur auf den riesen Koloss zu schauen.
Am Nachmittag gegen 16 Uhr fuhr der Bus wieder zurück zur Stadt. Meinen Müll werde ich selbstverständlich in El Calafate abladen.
Auch auf der Rückfahrt hielt der Busfahrer wieder nicht an. Während der Fahrt wurde ich auf einmal ganz müde und fiel in einen tiefen Schlaf. Zum Glück erwachte ich in dem Moment, als wir gerade in die Stadt hineinfuhren. Ich wollte am Wasser zurück zu meinem Hostel laufen. Schnell lief ich vor zum Busfahrer und bat ihn, für mich anzuhalten und mich rauszulassen. Ich wußte, dass in der Bucht sich viele Flamingos und weitere Vögel aufhalten. Schon von weitem sah ich die pinken Vögel.
Die Flamongos pickten die ganze Zeit nur in den Boden und guckten nicht mal nach oben.
Gerne wäre ich näher rangelaufen, aber der Boden war viel zu schlammig. Was ich nicht wußte, die Flamingos wären vor mir davon geflogen. Genau das ist passiert, als 2 Leute sich von hinten anschleichen wollten. Panisch liefen sie davon...
...und als es zu eng wurde, starten sie, davon zu fliegen. Es sieht so toll aus, wenn sie mit ihrem spitzen Schnabel durch die Lüfte gleiten. Gemütlich lief ich den Weg zurück ins Hostel. Für die lange Busfahrt, für die Fahrt nach Ushuaia, in der Nacht um 3 Uhr morgens, kaufte ich mir Lebensmittel, die ich dann in der Hostelküche zubereitete. Die Zeit bis zur Busabfahrt verbrachte ich in der Lounge und schrieb Postkarten. Gegen 2.30 Uhr machte ich mich schließlich in der kalten Nacht auf. Die Szenerie auf der Straße war unheimlich. Während einige gerade von bzw. zur Discothek gingen, stiefelte ich mit meinem fetten Rucksack zum Busbahnhof. Im Bus schlief ich sofort in einen tiefen Schlaf.