Donnerstag, 22. April 2010

kein Segeltoern von Cartagena nach Panama mit den San Blas Inseln

Am 20. April faellte ich nun endlich die Entscheidung, wie ich nach Panama einreisen werde. Es gibt 3 Moeglichkeiten und alle haben seine Vor- & Nachteile. Ich entschied mich nun doch fuers Flugzeug und werde am naechsten Tag mit dem Flugzeug nach Panama einreisen. Ja, ich werde ohne Probleme fliegen. Flugverbote gibt es nur in Europa! Der einstuendige Flug kostet rund US$230. Gerne waere ich lieber mit dem Bus eingereist, doch es gibt keine Busverbindung von Kolumbien nach Panama. Bzw. es gibt ueberhaupt keine Strassen, die nach Panama fuehren. Somit will die panamaische Regierung den Drogentransport (vor allem Kokain) in Richtung USA verhindern. Umstaendlich koennte man sich schrittweise Panama naehern und dann mit einem Boot die Grenze passieren. Fuer den restlichen Weg muesste man ebenfalls ein Flugzeug nehmen, welches nur 3 Mal in der Woche fliegt. Und nun die dritte Moeglichkeit. Von Cartagena legen regelmaessig Segelboote ab, die in 5 bis 6 Tagen in Panama ankommen. Ein obligatorischer Aufenthalt auf dem San Blas Archipel ist natuerlich enthalten. Bis man aber die wunderschoenen Trauminseln sehen kann, muss man die 50stuendige Fahrt ueberstehen. Damit ist wirklich alles gemeint. Im Netz und in den Hotels kursieren unzaehlige Horror- Stories. Von schlimmer Seeuebelkeit, seeuntauglichen Segelschiffe bis hin zu Drogentransporten, von denen die Backpacker nichts wussten. In meinem Hotel hoerte ich von einem Segelschiff, dass in wenigen Tagen in See stechen wird. Sie hatten noch einen Platz von acht uebrig und liessen mich das Segelschiff angucken. Darum hatte ich einen Termin ausgemacht und war ganz gespannt. Besonders toll sah es nicht aus, da sie es gerade reparieren. In 2 Tagen soll es aber in Ordnung sein. Doch bevor ich meine Entscheidung ihnen mitteilte, wollte ich mich ans Wasser setzen, nachdenken und die Kosten kalkulieren. Als ich so sass, sprach mich ein netter aelterer Mann an. Er stellte sich als Per - Goesta Edlung (kurz :PG) aus Schweden vor und erzaehlte mir von seinem Segelschiff S/Y Tarona. Er segelt schon seit Jahrzehnten und wird diesmal mit seiner Freundin und 3 Passagieren die Fahrt nach Panama in Angriff nehmen. Er war sehr sympathisch und nett. Also entschied ich mich, mit ihm zu reisen. Schliesslich hatte ich keine Lust ,mit so vielen Leuten auf einem kleinen Segelschiff zu verbringen. Er wollte eine kleine Anzahlung und am Freitag wollten wir gemeinsam Lebensmittel einkaufen gehen. Dann fuhr ich erfreut zum Hotel zurueck und guckte mal bei Google nach, was denn die Leute so ueber das Schiff schreiben. Schon der erste Bericht hatte mich so umgehauen. Ich fand noch viele weitere Horrorberichte. Eine kleine Auswahl habe ich mal zusammengefasst:
  1. er soll verrueckt sein (zu dem Alzheimer haben) und seine Freundin ebenso
  2. katastrophaler technischer Zustand, "that's never happenened in 24 years" a quote we often heard during the trip when something broke or didn't work!
  3. Betten und Schiff soll abgenutzt sein, es stinkt fuerchterlich, modrig und vor allem durch den Schimmelgeruch
  4. er kaufte mal fuer 6 Leute, fuer 6 Tage Lebensmittel fuer US$84 ein, eine richtige Versorgung war dadurch nicht gegeben. Wenn Passagiere nicht selber Wasser dabei haetten, waeren sie wahrscheinlich alle erkrankt.
  5. u.s.w
Klar sind das alles nur Geschichten, doch wenn sich so viele darueber aufgeregt haben, dann wird schon etwas Wahres dran sein. Darum stand fuer mich felsensicher fest, dass ich nicht mit ihm 6 Tage reisen werde. Vor allem war der ausschlaggebende Punkt der technische Zustand. 48 Stunden wuerde ich auf See sein, ohne Land in Sicht, einsam und alleine. Wenn nun etwas kaputt gehen wuerde, wuerde hoechste Lebensgefahr bestehen. Im Nachhinein habe ich eine hilfreiche Liste gefunden:

Recommended Boats : 1. Captain Hernando Higuera (Colombian)- Boat "Stella Luna" - have heard great things
2. Captain Markus (American) - Boat 44ft "Melody"
3. Captain Leon (Argentinian) - Boat 30ft - unsure name, have heard good things
3. Captain Jimmy (Algerian-Dutch) - Boat (unsure of name) - have heard good things

Boats to avoid:
1. Captain Per Goesta Edlung (P.G.) (Swedish) - Boat 28ft "S/Y Tarona"
2. Captain Guillermo (Argentinian) Boat 33ft - name unsure
3. Tropicbird
4. Fritz the Cat

Wenn ich diese Liste vorher gehabt haette, haette ich meine Anzahlung von US$25 nicht verloren. Selbstverstaendlich habe ich sofort versucht anzurufen. Doch sein Telefon war ausgeschaltet. Zufall?!? Ich werde es nun als Lehrgeld abschreiben muessen.

Cartagena

Am 17. April erreichte ich die kolumbianische Stadt Cartagena. Ich muss wieder einmal den Lonely Planet zitieren: "Eine legendenumwobene Maerchenstadt, romantisch und unverfaelscht schoen, ...ein Ort...der suchtig macht.". Was fuer eine Beschreibung? Die 1533 gegruendete Stadt entwickelte sich schnell zum spanischen Haupthafen an der Karibikkueste. Die den Indios geraubten Schaetze wurden hier gelagert, bis die Galeonen vorbeikamen, um die Fracht nach Spanien zu transportieren. Natuerlich lockte das auch Piraten an. Im 16. Jahrhundert ueberstand Cartagena 5 Belagerungen. Die bekannteste davon wurde von Francis Drake 1568 angefuehrt. Als Antwort auf die Piratenangriffe beschlossen die Spanier die Stadt in eine uneinnehmbare Hafenfestung zu verwandeln. Schon auf der Hinfahrt war ich vom Anblick der Waelle ergriffen. Doch erstmal musste ich mir ein Hotel suchen. Ich hatte einen netten Tipp bekommen, doch auf dem Weg dorthin, wurde ich von einem anderen Hotel aufgehalten. Das Angebot mit kostenlosem Internet und der Benutzung der Kueche hat mich sofort ueberzeugt. Noch vor dem Sonnenuntergang erhaschte ich einen Vorgeschmack auf morgen. Ich kaufte mir im Supermarkt etwas zu essen und traf aber danach zufaelligerweise auf der Strasse Ilse und Yuri, das belgisches Paerchen, vom Cabo de la Vela wieder. Wir gingen in einem Restaurant etwas essen und hatten uns viel zu erzaehlen. Zurueck in meinem Hotel sass ich bis 1.30 Uhr nachts am Computer und nutzte die kostenlose Leitung aus. Am naechsten Morgen kam ich nur schwerfaellig aus dem Bett. Ich war muede und es war jetzt schon so warm. Nach einem schnellen Fruehstueck und einer eisgekuehlten Flasche Wasser bewaffnet, wagte ich mich nach draussen. Mein erstes Ziel war der Parque del Centenario. Ich wollte mir Leguanas,......tolle Voegel...
...und Affen anschauen, die ich habe nicht finden konnte. Dann lief ich weiter in der Stadt umher und fuehlte mich wie in einem Traum. Die Architektur weckte all meine Assoziationen von der Karibik, aus einer Zeit mit Piraten und Ueberfaellen. Wie hiess bloss das Computerspiel, bei dem ich in der Karibik Staedte belagert hatte?!? Und nun spuehrte ich das Gefuehl vor Ort zu sein.Trotz der Hitze lief ich zur wohlhabenden Altstadt,... ...die mit einer hohen Mauer umgeben ist.
Die Haeuser in der Altstadt fand ich (fast) alle photogen.
Wenn man jedoch genau hinschaut, waren die schoensten Haeuser Hotels, die renoviert und restauriert wurden.
Trotzalledem ist der Geschmack und die daraus resultierende Geschmacksempfindung Ansichtssache.
Ist das Kunst?
Am Plaza de Bolivar...
...sah ich buntgekleidete afrikanische Obstfrauen. Die Fruechte sahen ueberhaupt nicht appetitlich aus. Doch in Wirklichkeit wollten sie keine Fruechte verkaufen, sondern Geld fuer Fotos haben. Dazu praesentieren sie auch mal die Obstschuessel auf dem Kopf.
Doch wenn man nicht zahlt, dann bekommt man einen boesen Blick und nette Worte.Auf dem Plaza de Bolivar wurden damals Sklaven gehandelt. Das einzige, dass vielleicht von dieser Zeit erinnert ist das Museum "Palacio de la Inquisicion". Drinnen stellen sie Folterwerkzeuge aus. Das haette ich mir gerne angeschaut, doch den Eintrittspreis haben sie inzwischen auf 12.000 Pesos (US$6) erhoeht. Soviel werde ich bestimmt nicht fuer ein kleines Museum ausgeben, dass mit alten Touristen ueberfuellt ist. Immer noch nicht genug, ging ich zum "Castillo San Felipe de Barajas".
Sie ist eine alte Burg, auf der eine riesige kolumbianische Flagge weht.
Endlich zu Fuss angekommen -und nicht via Touristenbus-
...wollte ich sofort ganz nach oben laufen.
Ohne Ticket war dies nicht moeglich und musste wieder herunterlaufen. Nun fand ich den Ticketschalter und erfuhr, dass der Eintrittspreis bei US$9 liegt. Zum zweiten Mal an diesem Tag musste ich ein Museum auslassen. Die Belgier waren einige Tage spaeter drin und meinten nur, dass es interessant war, jedoch den hohen Eintrittspreis nicht rechtfertigte. Stattdessen holte ich mir lieber ein eiskaltes Bier und setzte mich zu den Einheimischen, unter einen schattenspendenden Baum. Abends besuchten mich die Belgier in meinem Hotel und wir kochten etwas zusammen. Als Dankeschoen gabs Crepes bei denen im Hotel zum Fruehstueck. Bei der Hitze wollte ich mich kaum bewegen und blieb den Tag im Hotel. Fuer den dritten Tag habe ich einen Termin fuer den Vormittag am Hafen ausgemacht. Ich wollte mir ein Segelschiff anschauen, mit dem ich nach Panama segeln wuerde. Auf dem Schiff herrschte Chaos, weil sie die Elektrizitaet austauschen wollten. Ich hoerte mir alles an und setzte mich dann ans Wasser, guckte auf die Fische und Voegel......und dachte darueber nach. Da Sprach mich ein Schwede an und machte mir sein Schiff schmackhaft. Im Nachhinein lass ich so viele Horrorgeschichten, so dass ich die Fahrt mit ihm absagte. Bzw. haette ich gemacht, wenn sein Telefon angeschaltet waere. Die ganze Geschichte habe ich einem eigenen Post gewidmet. Fuer abends bot mir Pablo ein Basketballspiel in der Stadt an. Aus den 10 Minuten gehen wurden bestimmt ne halbe Stunde. Jedoch war der Platz recht schoen und beleuchtet. Nur waren viel zu viele Spieler dort. Es machte kaum Spass, zudem sein Ball nicht gut war. Dann kam auf einmal ein ganzes Basketballteam mit Trainer und Assistenten an. Es entstand ein richtiges Tournier: Alt gegen Jung. 2 Schiedsrichter sorgten fuer ein faires Spiel. Ein Freundschaftsspiel war es wohl nicht ganz. Es gab einige Unfaelle. Der Schlimmste war, als jemand ein Knie auf die Stirn gedonnert bekam und diese aufplatzte. Ich haette sofort einen Krankenwagen gerufen, doch nicht so in Kolumbien. Nicht ausgepowert, aber hungrig kam ich zurueck zum Hotel. Am 21. April musste ich schon um 7 Uhr aufstehen und fuhr um 8.30 Uhr zum Flughafen von Cartagena. Er befindet sich nur 3 km vom Zentrum entfernt. Innerhalb von 15 Minuten stand ich in der Haupthalle und war fuer meinen Flug bereit. Nun gab es kein zurueck mehr.

Samstag, 17. April 2010

Santa Marta zum zweiten Mal

Am 15. April kam ich mit dem Bus erneut in Santa Marta an. Er war schon 21.30 Uhr, so dass eine Weiterfahrt nach Cartagena nicht vorteilshaft waere. Also nahm ich mir ne Mototaxi und fuhr zu meinem alten Hotel Miramar. Sie hatten zum Glueck noch ein Bett im Dorm frei. Ich kaufte mir ein paar kalte Flaschen Bier (es gibt nur kleine Flaschen) und checkte meine Emails der letzten Tage. Weit nach Mitternacht begab ich mich ins Bett, da ich letzte Nacht nur 3 Stunden gaschlafen hatte. Am naechsten Morgen erwachte ich gegen 10 Uhr. Noch vor dem Fruehstueck fing ich mit dem Waeschewaschen an. Fast alle meine Sachen waren schmutzig und der Gussregen, vom Tag zuvor, gab den Klamotten eine besondere Note. Mit "Waschfrauenfingern" ass ich erst gegen Mittag fruehstueck und ging einige Besorgungen machen. Durch Zufall fand ich endlich einen Ort, wo ich meinen Rucksack reparieren lassen konnte. Die Reissverschluesse waren inzwischen so sehr abgenutzt, so dass sie immer wieder aufgingen. Bei letzten Mal fiel ein Glas Nutella raus und zerschelte auf dem Boden. Mit neuem Reissverschluss ging ich in der aeltesten Stadt Kolumbiens spazieren. Sie wurde 1525 gegruendet und man sieht es ihr kaum an. Viele Highlight hat sie nicht zu bieten. Es ist einfach nur eine Stadt am karibischen Meer. Das Meer sieht nicht einladend aus, obwohl das Thermometer ueber 30 Grad Celsius anzeigt. Ich ging ins Goldmuseum, obwohl ich schon in Bogota ein Goldmuseum besucht hatte. Die (wahrscheinlich) minderwertigen Ausstellungsstuecke wurden hier ausgestellt. Am Strand war heute ganz schoen viel los. Ein blonder Lockenkopf wurde von Kamerasteams und Reportern umringt.Die Leuten liessen sich mit ihm fotografieren und alle waren erfreut. Ich machte auch ein paar Fotos......nicht zu ahnen, dass das der beste kolumbianische Fussballspieler jemals war. Sein Name war Carlos "Pibe" Valderrama. Zweimal wurde er Fussballer des Jahres. Am naechsten Morgen war sein Foto auf der Titelseite zu sehen.

Naja, ich wusste es erst nicht und ging auf der Promenade spazieren.Ich wollte mir in Ruhe, wenn ich nicht staendig angesprochen werden wuerde, den Sonnenuntergang anschauen. Am naechsten Morgen checkte ich aus dem Hotel aus. Doch den Vormittag ueber wollte ich mir Santa Marta anschauen. Ich wollte doch noch einen Eindruck von der Stadt bekommen.

Ich lief also umher und machte einige Fotos.Im Hafen sah ich viele grosse Ozeanschiffe. Vor allem von Dole, der Bananenfirma.Doch richtig beeindruckend -aber nur von der Groesse- war ich von diesem Luxuskreuzschiff. Sie fuhren nach Cartagena, wo ich dann all die alten Leuten in der Altstadt sah. Kostenloses WLAN-Netz in Santa Marta fand ich ausgesprochen modern. Ich hatte nur leider keinen eigenen Laptop.
Nach der kleinen Stadtbesichtigung ging ich zum Hotel zurueck. Ich schnappte mir meinen Ruecksack und fuhr zum Busterminal. Nur 10 Minuten spaeter sass ich im Bus auf dem Weg nach Cartagena.