Sonntag, 3. Januar 2010

Flug nach Caracas und dann mit dem Bus nach Merida

Am 29. Dezember nahm ich einen Flug von Lima nach Caracas, Hauptstadt von Venezuela.Ich moechte vorab mit einer venezuelischen selbstironsichen Geschichte beginnen:

"Als Gott in sechs Tagen die Welt erschuf und Venezuela formte, da schoepfte er aus dem vollen: er kreierte die abwechslungsreichsten und schoensten Landschaften, karibische Traumstraende, endlose Urwaelder, schneebedeckte Berggipfel sowie eine weite Steppe. Auch mit dem Artenreichtum von Pflanzen und Tieren geizte er nicht, denn er liebte die Vielfalt. Ergliederte das Land mit ueber 1000 Fluessen und richtete verschiedene Klimazonen ein, die den Anbau aller Obst- und Gemuesesorten sowie deren Weitertransport ermoeglichen sollten. Zu alledem bedachte er das Land noch mit einem Ueberschuss an Bodenschaetzen in Form von Gold, Diamanten und riehclich Erdoel. Als er sein Werk vollendet hatte, laechelte er zufrieden: kein Land auf der Welt hatte er so grosszuegig ausgestattet wie Venezuela. Der ausgleichenden Gerechtigkeit halber setzte er die Menschen hinzu, die mit alledem nichts Rechtes anzufangen wissen: die Venezolaner".
Ich kam bei all dem Strassenverkehr gerade noch rechtzeitig am Flughafen in Lima an. Ich hatte genau noch 15 Minuten Zeit fuer das Einchecken. Mein vegetarisches Essen hatten sie schoen wieder vergessen, obwohl es diesmal im System vermerkt war. Wann war eigentlich mein letzter Flug, bei dem mein Essen richtig geordert wurde? Aber so lange ich es noch aendern kann, ist alles OK. Mit einem mulmigen Gefuehl ging ich zum Gate 20, an dem meine LAN Maschine stand.
Nun gab es kein zurueck mehr...
...ich guckte von oben auf Lima herab.
Ich hatte letzte Nacht kaum geschlafen und wollte nur etwas leckeres Essen, einen tollen Film schauen und dann einschlafen. Mein Essen bestand aus einem kleinen Sandwich und das Multimedia Programm war ausser Betrieb. Genauso nur 2 von 4 Toiletten. Mein erster Flug mit LAN war ueberraschend toll und der zweite enttaeuschend. In den ca. 3 Stunden Flugzeit guckte ich gespannt auf die Berge und auf den Jungle.
Noch nie zuvor sah ich den Amazonas mit den Fluessen, die wie Regenwuermer durch die Landschaft schlaengelten.
In Caracas war es ganz schoen nebelig und diesig. Ich haette das Land bestimmt nicht "Klein Venedig" benannt, als ich zum ersten Mal Venezuela erblickte. Jedoch im Jahre 1499, als Amerigo Vespucci zusammen mit Alonso de Ojeda eine Expedition im Golf von Venezuela (heutiger Name) machte, sahen sie Pfahlbauten der "Añus" ueber dem Wasser stehen. Diese Bausweise erinnerte sie an Venezia und gaben der Region den Namen "Venezuela", was so viel wie "Klein Venedig" bedeutet. Das Flughafengebauede sah recht merkwuerdig aus. Ich versuchte cool zu sein und passierte alle Kontrollen problemlos. Reiseforen sind voll mit Geschichten, doch die schlimmsten Geschichten handeln von der Ausreise. Ich sage nur Zwangsroentgen ohne Schutzmassnahmen. Meine Geldfieber-Impfausweis wollte niemand sehen. So einfach hatte ich mir es nicht vorgestellt. Waehrend ich auf meinen Rucksack am Gepaeckfliessband wartete, sprachen mich mehrere Leute an, ob ich denn nicht Geld zu 1:4 wechseln moechte. Ich war mir sehr unsicher, da der offizielle Wechselkurs fuer Auslaender bei 1:2 liegt. Also fuer einen Dollar bekomme ich gerademal 2 Bolivar Fuerte. Klar wusste ich, dass auf dem offiziellen Schwarzmarkt der Kurs bei 1:5 bis 1:6 lag. Sollte es eine Falle sein? Ich tauschte erstmal lieber nicht. Wie kamen bloss die Leute mit Ausweisen in den Sicherheitsbereich vom Flughafengebauede?!? Ich fragte einen Securitytypen, nachdem ich meinen Backpack hatte, wo ich denn Geld tauschen koennte. Er brachte mich zu einem Mann, mit einem fetten Geldbuendel. Dieser tauschte ebenfalls 1:4. Ich wagte nicht zu handeln. Ich brauchte nur etwas Geld fuer ein Taxi zum Busbahnhof, fuer ein Busticket nach Merida und etwas Geld fuer Essen und Wasser. 50 Us Dollar tauschte ich und liess mich nicht beirren. Nun musste ich einen vertrauenswuerdigen Taxifahrer finden. In meinem Guidebook warnten sie vor falschen Taxen. Ich schaute auf das Nummernschild (muss naemlich gelb sein) und liess mir seinen Ausweis zeigen. Ja, na klar haette ich eine Faelschung erkannt. Ich traute meinen Gefuehl und liess mich fuer US$ 25 zum Busbahnhof fahren. Ich beschloss nicht in Caracas zu verweilen. In der Nacht sah die Stadt so friedvoll aus. Doch der Schein soll truegen. Bloss nicht die Hauptstadt von Venezuela besuchen... das sagen "alle". In der Nacht schon gar nicht. Die Hostelpreise schreckten mich zusaetzlich ab. Am Busbahnhof angekommen, sah ich eine Amada von Bussen. Vor und im Busbahnhof standen umzaehlige Busse. Die grossen Busse waren schon lange ausgebucht. Nun blieb mir nur noch die Moeglichkeit eines der kleinen Busse zu nehmen. Unermuetlich liefen Maenner mit handgeschriebenen Schildern herum, auf denen die Buszielort standen. Nachdem ich einige Maenner fragte, wusste ich den guenstigsten Preis von 100 Bol F auszumachen. Ich folgte dem Anheuerer zum Bus und wartete ueber eine Stunde, bis sich die Plaetze fuellten. Der Bus sah echt cool aus. Die Bezuege wirkten stylisch und ueber dem Fahrersitz war ein TFT-Bildschirm angbracht. Ueber den vielen grossen Lautsprechern konnte ich mir das Ende von einem Actionfilm angucken. Dann fuhr der Busfahrer gegen 21 Uhr endlich los. Der Film war nun auch zu Ende und somit fing die Busparty an. Es war wirklich war!!! Aus den voll aufgedrehten Lautsprechern kam nun suedamerikanische Musik und die Fahrgaeste sangen dazu und bewegten ihre Hueften im Takt. Das ging die ganze Nacht so weiter. An Schlaf war wirklich nicht zu denken. Niemand beschwerte sich. Schliesslich darf der Busfahrer nicht einschlafen. Die ganze Situation in Bus fand ich recht amuesant und ich genoss das mitverfolgen zu koennen. Ich war der einzige Gringo. An einer grossen Tankstelle reihten sich die Busse, wahrend die Gaeste etwas zu Essen kaufen konnten. Nach dem Tanken stand der Bus ewig vor dem Bebaeude und der Motor lief die ganze Zeit. Warum auch den Motor ausmachen, wenn der Spritpreise bei 0,0129 Euro Cent pro Liter liegen? Nein, es ist kein Schreibfehler. 0,097 Centimos sind ungefaehr 0,017 US Cent. Erst um 12 Uhr mittags kam ich schliesslich in Merida an. Die 16 stuendige Busfahrt war nun beendet und ich durfte mir erstmal ein Hostel suchen. Ich fand erst ein recht nettes Hostel in der Innenstadt. Jedoch blieb ich nur eine Nacht und wechselte am naechsten Tag in das Posada "El Aleman". Wenn nicht Martin (ein alter Unikumpel) mir die Posada empfohlen haette, haette ich einen grossen Bogen gemacht. Im nachhinein waere es besser gewesen, weil die Bettdecken einfach zu duenn waren. Nun habe ich einen Schnupfen bekommen. Davon abgesehen ist es ganz angenehm. Eigentlich ist Merida eine besondere Stadt, da man sehr viel unternehmen kann. Neben dem Ausflug zu den Los Llanos (gesprochen: Los Janos), Paragliding, Rafting, kann man eine spektakulaere Tour mit der hoechsten und laengsten Seilbahn der Welt machen. Leider ist sie schon seit einem Jahr geschlossen und die Erneuerung wird noch einige Jahre dauern. Das Ergebnis einer Inspektion veranlasste die Regierung im August 2008 den Betrieb einzustellen. Wie ich hoerte, belaufen sich die Kosten fuer einen Neubeu bei 170 Millionen Euro. Silvester in Merida war eine Pleite. Fuer den 2. Januar hatte ich eine Los Llanos Tour mit dem El Aleman Veranstalter "Colibri Tour" gebucht. Sie boten fuer mich das beste Preisleistungsverhaeltnis. In Gruppen von maximal 8 Personen geht es 4 Tage lang in die Wildniss. Andere Agenturen waren teurer als 1000 Bolivar Fuerte und hatten eine Gruppenstaerke von ueber 20 Leuten. Nun ja, diese Agenturen hatten zu viele Leute und meine Agentur zu wenige. Es fehlte eine Person zum Starten der Tour. Am Abend zuvor wurde die Fahrt um einen Tag verschoben. Mit Schnupfen und Halsschmerzen verbrachte ich den Tag im Hostel und schrieb ganz viel Blog.

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