Freitag, 9. Oktober 2009

San Carlos de Bariloche

Mittags , gegen 13 Uhr, erreichte ich mit dem Bus die Stadt San Carlos de Bariloche, nachdem es stundenlang durch die einsame Steppe ging.Bariloche liegt ganz im Westen von Argentinien, unweit der chilenischen Grenze. Ich habe eigentlich nur positives von der Stadt gehört, die vor allem durch die landschaftliche Schönheit dominiert. Bariloche liegt an einem der Seven Lakes und ist von schneebedeckten Bergen umgeben. Der erste Blick auf die Stadt war atemberaubend. Mit der Spanierin Isi, die ich im Bus auf dem Weg nach Bariloche kennengelernt habe, suchten wir uns ein Hostel. Wir hatten uns vorher 3 Hostel in die engere Wahl genommen. Nachdem wir uns alle 3 angeschaut haben, entschieden wir uns für das Penthouse Hostel 1004. Der Name klingt ganz sexy. War es aber nicht; nicht ganz. In einem häßlichen Hochhaus, mitten in der Innenstadt, befand sich das Hostel in der obersten Etage. Gleich nach dem Motto: So lange ich drin wohne, muß ich es nicht (von außen) sehen. Mein ersten Eindruck vom Hostel war eher negativ, weil das gewisse "Etwas" fehlte. Wenn ich schon meine höchste Miete in Argentinien bezahlen sollte, dann erwartete ich auch (fast) doppelt so viel Komfort. Den fehlenden Charme & Gemütlichkeit konnte das Hostel mir einem grandiosen 270° Rundumblick mehr als ausgleichen.
Von hier oben konnten wir auf die Dächer der Neustadt... ...und auf die der Altstadt schauen.
Nachdem die Sonne hinter den schneebedeckten Berge verschwunden war,...
...leuchtete der Vollmond über der Stadt.
Nach einem tollen Abendessen fand zufälligweise im Hostel ein Privatkonzert von den Betreibern des Hostels statt.
Für den nächsten Tag hatte ich geplant, mit Isi ein Auto auszuleihen und dann zu den „Los Siete Lagos“ (Die sieben Seen“) zu fahren. Die Car Rental Gebühr war aber für Isi zu teuer, so dass ich mich dann auch entschied, die gleiche Tour zu buchen. Eigentlich hätte der Tourpreis für 2 Personen fast den Mietpreis für das Mietauto wet gemacht. Alleine ein Auto zu mieten, war mir dann doch zu teuer. Schließlich kosten die Mietautos dreimal so viel wie in Neuseeland. Kurz nach 7 Uhr, zum Sunrise,...
...mußten wir aufstehen. Eine Stunde später holte uns ein kleiner Tourbus ab. Die Fahrt führte durch eine Schlucht, zwischen bzw. an den Seven Lakes entlang. Teilweise sah es recht eindrucksvoll aus, aber der Fahrer fuhr immer weiter. Neidvoll guckte ich auf die Reisegruppen, die am Lookout hielten und schöne Landschaftsfotos machten. Selbstverständlich hielt mein Fahrer auch mal an. Der erste Stop erfolgte in einer kleinen todlangweiligen Touristenstadt, die bestimmt den Reiseveranstaltern Geld bezahlen, damit sie für ne halbe Stunde ne Pause machten. An einigen Lookouts, an denen wir mit vielen anderen Touristenbusse hielten, sah es ganz OK aus.

Doch meistens war es langweilig und... sehr kalt. Ich entschied mich oft, lieber im Bus sitzen zu bleiben, während die anderen langweile Enten auf langweilige Seen fotografierten. Hatte ich schon gesagt, dass der Fahrer nur an langweilien Orten hielt?!? Mir war aber zum Glück nicht langweilig, da ich endlich mal wieder Zeit hatte, ein Buch zu lesen: "Wenn ich mal groß bin" -"Erfolgreich erwachsen werden ab Mitte Dreißig" vom Berliner Schriftsteller Martin Reichert. Schließlich erreichten wir nach Stunden unser Ziel, die Stadt „San Martin de los Andes“. Sie gaben uns 2 Stunden, bevor es wieder zurück nach Bariloche ging. Isi und ich gingen abseits unserer Touristengruppe spazieren und beschlossen die Spezialität des Ortes auszuprobieren. In den Restaurants gab es fangfrischen Lachs in verschiedenen Variationen. In einer Seitenstraße fanden ein kleines nettes Restaurant, das ausgesprochen luxeriös ausah. Trotzdem war es „günstig“ und unglaublich lecker!!! Nach dem Mittagessen stiegen wir wieder in den Bus und fuhren diesmal einen anderen Weg zurück nach Bariloche. Ich war so müde, dass ich am liebsten, genauso wie Isi, schlafen könnte. Das brachte ich nicht über mich. Die Fahrt ging durch eine wunderschöne Landschaft. Die Seen waren richtig fett türkis...

...und dann sah ich meine ersten Flamingos. Der Busfahrer hielt mal wieder nicht an. An einer weiteren schönen Landschaft hielt er zufälligerweise etwas weiter an einem Café & Restaurant an. Mit der Kamera in der Hand rannte ich die Straße wieder zurück und machte dann von der Landschaft diese Fotos, die in der Realität noch viel schöner aussah.

Am Ende der Tour hielt der Fahrer zum ersten Mal mitten auf der Straße an, damit wir von diesen Guanakos Fotos machen durften.
Je näher wir zu der Stadt kamen, um so schlechter wurde das Wetter. Es regnete wie aus Kübeln. Bariloche stand unter Wasser. Meine Chucks sogten sich ganz schnell ein. Mit klitsch nassen Füßen & Schuhen erreichten wir unser Hostel. An diesem Abend wollte Isi diesmal für mich kochen. Zu meiner Freude bereitete sie Tortilla de Papa (spanisches Kartoffelomlett) zu und verriet mir das Rezept und die Zubereitung.
Mit einer besseren beschichteten Pfanne hätte es perfekt ausgesehen, so dass es für Isi ihre schlechteste zubereitete Tortilla de Papa wurde. Sie guckte so traurig. Meine Aufmunterungsworte knallten gegen eine Mauer. Isi's Laune könnte ich eigentlich verstehen, wenn es nicht geschmeckt hätte. Tat es aber nicht. Das Essen war ausgezeichnet. Sie verschwand schnell vom Tisch und überließ mir den Rest des Essens. Yummy, yummy. Die Freude verblasste bei mir dann, als sie nicht mal ein Abschiedsbier mit mir im Pub trinken gehen wollte. Schließlich war das unser letzter gemeinsamer Abend. Isi hatte nähmlich einen Flug nach El Calafate für den nächsten Tag gebucht. Für den darauffolgenden Tag hatte ich eigentlich geplant, Snowboard fahren zu gehen. Schließlich war in nicht mal einer Woche die Winter-Saison zu Ende. Aber dann könnte ich mich nicht von ihr verabschieden. Darum verschob ich das Boarden auf den nächsten Tag und spazierte lieber mit Isi durch die Stadt. Jedes dritte Geschäft in der Innenstadt war ein Schokoladengeschäft. Doch im russischen Mamuschka Laden,......soll es die beste Schokolade geben. Für Schokoliebhaber wäre Bariloche das Mekka schlecht hin. Gegen Mittag setzte aufeinmal ein Schneesturm ein.
Die Leute tanzten auf den Straßen und trotzten der Hundskälte.

Das Wetter spielte echt verrückt. Sonne, Regen & Schnee. Jeden Tag ein anderes Wetter. Schlimmer kann es ja nicht mehr kommen. Auf der anderen Seite konnte ich mich über ein super Snowboardwetter freuen. Mit dem öffentlichen Bus ging es am darauf folgenden Morgen zum Skigebiet "Cerro Catedral". Kaum angekommen, mußte ich mir ein Snowboardverleiher suchen. Bei dem Überangebot an Verleihern, sollte es kein Problem sein. Doch auch nach einer Stunde hatte ich immer noch kein Equipment. Der Zustand der Boards waren katastrophal. Ich wußte, falls ich an diesem Tag noch boarden gehen möchte, müßte ich meine Ansprüche an Sicherheit und Fahrgefühl herunterschrauben. Deshalb lieh ich mir für ca. 10 Euro ein Board und Schuhe aus. Eine neue Wachschicht sah das Board vor sehr langer Zeit und die Kanten waren nicht gerade scharf. Darum bat ich den Vermieter, die Kanten für mich abzuschleifen. Das ist wohl keine Selbstverständlichkeit?!? Der Verleiher zuvor hatte sich geweigert, mir den Gefallen zu tun. Sollte ich lachen oder weinen? Anstatt wie üblich ein genormtes Snowboard- Schleifgerät anzusetzen, begann der Vermieter mit einer Eisenfeile zu schleifen. Nach ca. 10 Minuten war die Kante Pie mal Daumen geschärft. Ich lächelte und ging mit meinem Equipment zur Seilbahn. Dann sollte es endlich losgehen. Mit der Gondel ging es immer weiter hinauf. Die Aussicht war toll. Nur noch auf dem oberen Teil des Berges war der Schnee noch nicht geschmolzen. Da es an den letzten Tagen geschneit hatte, stand einem Skivergnügen in Südamerika nichts im Wege. Leider doch. Der Winkel der Bindung war falsch eingestellt, obwohl ich ihm meinen pesönlichen Winkel angesagt hatte. Er guckte mich nur fragend an und wußte nicht, was ich meine. Aber bei dieser alten Plastikbindungen stimmt die Winkelangabe sowieso nicht. Ich fragte die Leute auf dem Berg, ob den jemand einen Schraubenzieher hat. Glücklicherweise fand ich jemanden. Als der Winkel einigermaßen stimmte, wagte ich, die ersten Bahnen zu ziehen. Das Board machte nichts, was ich wollte. Ich verlagerte mein Gewicht in eine Richtung und es passierte nichts. Ich fuhr immer schneller den Berg hinab. Erst bei übermäßiger Kraftanstrengung zog es nach rechts oder nach links, wobei ich natürlich sofort stürzte. Ich probierte es ein paar Mal und immer wieder passierte das Gleiche. Als ich dann schwer auf meine Hand gestürzt war, die mir die nächsten Tage fürchterlich weh tat, wollte ich nur noch runter vom Berg. Ich versuchte dann vorsichtig herunter zu sliden, aber selbst das klappte nicht. Das Board hatte keinen Gripp. Oder lag es vielleicht doch an mir? Deshalb fragte ich ein Pärchen, die Profiboards hatten. Sie bestätigten mir, dass mein Board einfach nur Sch*** war. Wieder beim Verleiher angekommen, gab ich ihm all seinen Schrott zurück. Meine Forderung , mir mein Geld zurückzugeben, ignorierte er. Als alles nichts half, holte ich die Polizei, die gleich ihr Revier neben dem Verleiher hatte. Der Polizist konnte auch nichts machen, da ich es selber zu verantworten habe. Die Begründung war folgendermaßen: Wenn sich jemand für wenig Geld Snowboardequipment ausleiht, darf keine Qualität (meiner Meinung = Fahrvergnügen) verlangen. Die Worte klangen für mich wie der reine Hohn. Meine Hand schmerzte von Minute zu Minute mehr und hoffte, dass es nicht zu stark verstaucht ist. Ein junger Argentinier half beim Übersetzen. Auch er konnte nichts erreichen. Mein Snowboardtag war gelaufen und ich wollte nur noch nach Hause. Aber ein Erfolgserlebnis wollte ich doch noch haben. Darum machte ich Druck, dass sie mir wenigsten 10 Pesos zurückgaben. Schließlich lenkten sie ein, die ich dann dem jungen Argentinier gab. Lieber ihm als denen war meine Devise. Meinen Skitagespass habe ich an eine junge Frau verkauft. Sie gab mir nicht mal den halben Preis. Sie lachte dabei, denn sie wußte, dass ich einlenken werde. Mit dem Bus fuhr ich wieder zurück zur Stadt. Ins Hostel wollte ich noch nicht und spazierte gemütlich am Wasser entlang.
Dieser Weg führte mich zum Busbahnhof, so dass ich mir ein Busticket für die nächsten Tage nach Puerto Madryn kaufte. Den nächsten Tag wollte ich endlich damit verbringen, Blog zu schreiben. Selbst nach 6 Stunden klappte es nicht. Die Wlan Verbindung war tot und extrem langsam. Ich verzweifelte und war über die Zeitverschwendung entsetzt. Deshalb ging ich in die Stadt Lebensmittel für das heute angesetzte gemeinsame Hostelabendbrot einzukaufen. Die Idee war, dass alle im Hostel etwas leckeres kochen und dass alle bei jedem kosten durften. Ich hatte mich entschieden, ein Kürbiskokonusssuppe zu kochen. Dazu brauchte ich unbedingt Letche de Coco. Dazu lief ich alle umliegenden Supermärkte ab und fand nirgendwo Kokosnussmilch. Also brauchte ich einen machbaren Plan B. Ich entschied mich für Senfeier mit Kartoffelbrei. Mein einfaches Essen kam schon bei der Zubereitung gut an.
Von allen Seiten lobten sie mein Essen und machten Fotos. Es war mir ganz schön unangenehm, da die anderen selber leckeres Essen gekocht hatten. Kurz nach 21 Uhr standen alle Gerichte auf den Tischen. Somit konnte das „große Fressen“ starten. Als ich so auf die Teller der anderen schaute, entdeckte ich, dass kaum einer die Senfsoße genommen hatte. Sie kannten mein Gericht überhaupt nicht und nahmen erst auf Anraten (mehr) Soße. Das Feeback war echt gut, obwohl ich es nicht ganz glauben konnte. Ich bot ihnen das Rezept an, doch niemand wollte es haben. Echt merkwürdig?!? Nach dem Essen war im Hostel Party- Time. Die Leute tanzten ausgelassen, bis aus den Boxen ein unpassender Pop- Partysong kam. Niemand wollte darauf mehr tanzen und die Party hatte sein abruptes Ende. Der nächste Tag sollte mein letzter Tag in Bariloche werden. Ich chillte gemütlich im Hostel, schrieb seit langem Tagebuch und Blog. Am Nachmittag fuhr ich mit dem Taxi zum Busbahnhof und erreichte pünktlich meinen Bus nach Puerto Madryn.

Sonntag, 4. Oktober 2009

Mendoza

Am 28. September gegen 10 Uhr erreichte ich endlich die berühmte argentinische Weinregion Mendoza. Die Fahrt mit dem günstigsten Reiseanbieter "Plusultra Mercobus" nach Mendoza war „plus“ & „ultra“ Scheiße. Die Lehne vom Sitz meiner Nachbarin war kaputt und mein Sitz war durchgesessen, wodurch ich die ganze Nacht auf Metall im Arsch schlafen mußte. Der Fenstervorhang fiel auseinander. Überall klapperte es die ganze Zeit, so dass an Schlaf kaum zu denken war. Dann war es auch noch eiskalt im Bus. Um mich herum hörte ich des öffteren die Worte: „muy, muy frio“. Ich war also nicht die einzige Frostbeule. Das versprochene Frühstück im Bus bekamen wir erst kurz bevor wir in Mendoza ankamen. Das Frühstück bestand aus Kracker, Bonbons und aus einem süßen Küchlein. Da gab es selbst in der DDR noch Käse dazu (linke Seite vom Foto: 65% de calcio de la DDR):
Mein ganzes Obst, also mein persönliches Frühstück, hatten sie an der Staatsgrenze zu Mendoza abgenommen. Wie auch in Australien war das Einführen von Obst und Gemüse in einen anderen Staat verboten. Wohl zum Schutz der einheimischen Flora und Fauna. Das hatte ich natürlich vergessen, als ich in Cordoba noch schnell, vor der Busfahrt, zum Supermarkt rannte. Für die Wortwahl und der Kraftausdrücke muss ich mich entschuldigen. Ich schrieb diese Zeilen noch im Bus und bin demnach mit dem günstigsten Reiseanbieter sehr zufrieden. Wer mich kennt, hat hoffentlich die Dreideutigkeit im letzten Satz entdeckt. Der Buspreis richtet sich also (in Argentinien) daran, ob und wie man schlafen kann. Am Busbahnhof gerade angekommen, saß ich schon wieder im Bus. Aber diesmal in einem Öffentlichen, der mich zu meinem Hostel brachte. Im Internet fand ich das Hostel Empedrado, dass mit 23,50 ARS ausgesprochen günstig war. Von den Betten und vom Bad abgesehen war es wirklich toll und gemütlich. Zu dem war es nah an der Innenstadt. Nein, in meinem Hostel gab es keinen kostenlosen Wein like: „all you can drink“ Es gab nur ein Glas pro Tag. Für die wohl beste Weinregion Argentiniens, sind diese Kundenfangmethoden ganz üblich und normal. Etwas außerhalb von der Stadt Mendoza, in der gleichnahmigen Region, befinden sich im Departamento „Maipu“ mehrere Weingüter. Diese laden zu einer Besichtigung und Verkostung ein. Was sollte man denn sonst zu dieser Jahreszeit hier machen? Die Skisession war gerade zu Ende. Das Wandern zwischen den höchsten Berge der Welt war aufgrund der Wetterbedigungen verboten und für’s Wildwaterrafting war das Wasser zu kalt. Also fuhr ich mit dem Bus nach Maipu zur Weinverkostung und folgte der Ruta del Vino...aber "Don't go this way"(den anderen Weg)!!! An der Hauptstraße lieh ich mir ein Fahrrad in eines der vielen Fahrradverleihgeschäften aus und fuhr als erstes zu einem Weinmuseum. Oder war das Museum nur eine Tarnung?!? Neben all den alten Gerätschaften... ...ruhte in großen Holzfässern Wein, der für den Verkauf bestimmt war.
Lange konnte ich nicht bleiben, weil zu jeder vollen Stunde auf dem Weingut Trapiche eine Führung stattfindet. Also fuhr ich an den Weinreben, mit den Bergen im Hintergrund,...
...zum Eingang von Trapiche. Ein Pförtner meldet mich an und erlaubte mir, zwischen den schönen Blumen,...
...zum Hauptgebäude vorzufahren. Dort erfuhr ich, dass die 25-Pesos-Weintour sich nur auf die Geschichte des Weingutes bezieht und weniger auf die Technologie der Weinherstellung. Auf prahlende verkorkte Geschichten kann ich verzichten. Als ich gerade mein Fahrrad nehmen und gehen wollte. Sprach mich ein netter Mann im Anzug an und erklärte sich bereit, mit mir eine Weingutsführung durchzuführen. Dabei wollte er mir alles zeigen und erklären. So ein tolles Angebot vom Manager, wie ich später erfuhr, konnte ich nicht abschlagen. Ganz gespannt lauschte ich seinen Erklärungen und stellte eifrig viele Fragen. Zum Schluss hatte ich so gut wie alles verstanden. Die Theorie war größtenteils klar, aber trotzdem könnte ich keinen Wein produzieren. Dazu gehört jahrelange Erfahrung, den Prozess der Weinherstellung zu verfeinern. Gerne hätte ich nach so viel Theorie den Wein auch mal probiert, aber ein Pärchen besetzte den Weinverkostungsraum im edlen Ambiente. Deshalb fuhr ich mit einem noch immer 0-prozentigen Alkoholspiegel zum nächsten Weingut. Meine Wahl viel auf das Weingut „Tempus“. Es sah recht schlicht und edel aus. Ganz herzlich willkommen, lernte ich sofort zwei Schweizer kennen, mit denen ich ins Gespräch kam. Als dann noch das Pärchen vom Weingut Trapiche hinzukam, wurde es ganz schön eng am kleinen Tisch. Die beiden Londoner Rachel und Tim befanden sich gerade in den Flitterwochen. Während die Schweizer zum nächsten Weingut weiterzogen, saß ich mit den frisch vermählten auf der Terrasse. Mit Blick auf die Berge und auf die untergehende Sonne genossen wir den Wein. Als noch der Besitzer, ein in Designer Klamotten gekleideter cool wirkender Italiener, dazu kam, wurde es recht amüsant. Bei dieser ausgelassenen Runde lernten wir beim Gehen auch noch 2 Kalsruher und einen weiteren Engländer kennen. Bis spät in die Nacht konnten wir nicht bleiben, da wir die Fahrräder um 19 Uhr abgeben mußten. Ziemlich angetrunken setzten wir uns auf die Drahtsessel und folgten dem Straßenverlauf. Auf einmal kam uns ein Polizeimotorrad entgegen und drehte sofort um, als er uns sah. Mein Herz zerschellte auf die Straße, als er auch noch das Blaulicht anmachte. Aber anstatt uns anzuhalten und uns zu fragen, ob wir etwas getrunken hätten, blieb er brav hinter uns. Natürlich hätte ich ihm gesagt, dass ich nur Traubensaft getrunken habe. Wenn das nicht wirkt, hilft mein Zaubersatz: "No hablo espanol" (Ich spreche kein Spanisch). Er und ein weiterer Kollege im Polizeiauto eskortierte uns, bis vor dem Eingang des Fahrradverleihshops. Die Polizei, "Dein Freund und Helfer", achteten darauf, dass kein gut zahlender Tourist von der ärmlichen Bevölkerung ausgeraubt wird. Ich hatte mein Fahrrad bei einer anderen Verleihfirma, als die anderen, ausgeliehen und mußte somit früher die Eskorte verlassen. Das Fahrrad kaum abgestellt, wollten sie mir tatsächlich ein kostenloses Glas Rotwein anbieten. Bin ich denn so sicher auf den Hof vorgefahren? Dankend lehnte ich ab und ging zu den anderen, die ihr Fahrrad bei Mr. Hugo ausgeliehen hatten. An einem Tisch sitzend fand ich sie wieder. Ja, es stehen 6 Gläser mit Wein auf dem Tisch. Ich schäme mich.
Der Free Wine war natürlich nicht mit dem Qualitätswein von davor zu vergleichen. Mr. Hugo soll einen grenzüberschreitenden guten Ruf haben, dass u.a. bei ihm die Weingläser niemals leer werden. Ich fühlte mich schon ganz angetrunken, wie dieser Lama hier. Irgendwann konnten wir alle nicht mehr. Für Ronja glich das letzte Glas auszutrinken, als sei es ein Kampf. Mit dem Bus ging es dann zum Hauptbahnhof in der Innenstadt zurück. Ich verabschiedete mich von den anderen und ließ mich, mit einem Taxi, zu meinem Hostel fahren. Glücklicherweise war ich an einen netten Taxifahrer geraten, der mich nicht ausrauben wollte. Sicher erreichte ich erleichtert mein Hostel. Als ich hereinkam, traute ich meinen Augen nicht. Mr. Hugo stand in meinem Hostel genau vor mir.
Wie er das gemacht hat, werde ich wohl nie erfahren. Der nächste Tag war natürlich recht OK. Meine Kopfschmerzen waren nicht all zu groß. Schließlich hatte ich hauptsächlich qualitativ hochwertigen Wein getrunken. Trotzdem brauchte ich einen Ruhetag und beschloss ihn, in Cacheuta zu verbringen. 15 km außerhalb von Mendoza befand sich das Centro Climatico Termal Cacheuta. Im Gegensatz zu Santiago del Estero hatte dieses Thermalbad einen ganz guten Ruf. Auf dem Gelände angekommen, stand ich in einer großen Halle, in der die Leute an großen Tische saßen und Mittag aßen. Vor der Halle stieg Rauch vom BBQ auf. Ich befand mich wirklich in einem Thermalbad, obwohl der erste Eindruck einer Oktoberfesthalle glich. Umkleidekabinen hatten sie nicht, nur große Toiletten. Mit meinen Sachen unter dem Arm lief ich zum ersten Becken, legte sie daneben und sprang ins ca. 35°C warme Wasser hinein. Das war genau das Richtige nach so einer Weintour. Draußen, im Freien, befanden sich noch weitere heiße Pools. Der Bademeister „Paule“ kam mir eher wie ein Securityman vor, der aufpasste, dass niemand die Tasche der Badenden mitnahm. Erst war es recht gemütlich, aber als dann immer mehr Schulklassen reinkamen, war es mit der Gemütlichkeit vorbei. Also verließ das Thermalbad und nahm den ersten der beiden Busse, die zurück in die Stadt fuhren. 3 Stunden länger wollte ich nicht mehr im Bad verbringen und zwischen den schreienden Kindern chillen. Nach diesem Erholungstag nahm ich am nächsten Tag an einer Tour zum "Parque Provincial Aconcagua" teil. In dem Nationalpark stehen neben einigen 5000er der „Cerro Aconcagua“ (Foto: Mitte), mit stolzen 6959 Metern. Sie gehören zu den höchsten Berge außerhalb des Himalayas und befinden sich kurz vor der chilenischen Grenze. Aber wie schon oben erwähnt, war das Wandern im Park verboten. Das Wetter ist in diesen Höhen sehr wechselhaft und das Thermometer kann schon mal im Winter auf Minus 40 Grad fallen. Für diese Erfahrung haben viele Bergsteiger ihr Leben lassen müssen. Wie erwartet, waren auch viele Deutsche, auf dem Bergsteiger-Friedhof zu finden. Schon um 6 Uhr aufgestanden, war ich pünktlich kurz nach 7 Uhr fertig und zur Abholung bereit. Mein Bus verspätete sich um über eine Stunde. Gerne hätte ich die Stunde lieber im Bett verbracht, anstatt früh morgens das Frühstücksprogramm im Fernsehen anzuschauen. Der erste Lookout war recht schön, aber die Sonne stand uns gegenüber. Nichts mit tollen Fotos.
Mit dem Bus ging es dann weiter, im spektakulären Canyon,... ...wobei auch bei dieser Tour, nicht an Highlights angehalten wurde. Sicherlich ist das Ansichtssache. Für den Tourverantstalter war eher diese Brücke ein Highlight. Diese Brücke ist sehr wichtig für die Geschichte Argentiniens. Um sie zu schützen, wurde das Flußbett umgeleitet und das Betreten ist nicht erwünscht. Erst richtig interessant wurde es an der Puente del Inca (Brücke der Inkas). Es ist eine natürliche Brücke, die durch das Thermalwasser eine markante geld-orange-grau-grüne Farbe bekam. Großaufnahme. Die Ruinen sind keine antiken Inkahütten und es ist auch kein Gefängnis. Vor einigen Jahren befand sich hier ein Spa-Wellness Hotelkomplex mit Badehäusern...
...und einer Kirche. Nachdem eine Steinlawiene vom Gebirge herunter kam, war von dem Hotel so gut wie nichts mehr da.
Die argentinische Regierung hat einen Neubau verboten. Zum einen weil ein zweites Unglück mit Todesopfer nicht auszuschließen sei und weil die Fahrzeuge aus der Vergangenheit die Baussubstanz der Brücke beeinträchtigt hat. Heute ist es eben eine touristische Attraktion. Unmittelbar an der Brücke befand sich ein Markt, auf dem man (gewöhnliche) Steine für 2 Pesos kaufen kann.
Ich fühlte mich wie bei „Das Leben des Brain’s. Da aber kein Besuch einer Steinigung auf dem Program stand, ließ ich mich nicht von dem Angebot locken. Mit dem Bus ging es immer höher ins Gebirge. Am Eingang vom Aconcagua Nationalpark machten wir nicht mal eine kurze Pause. Gerade so noch konnte ich aus dem Bus raus dieses Foto machen. Wie schon gesagt, ist der Nationalpark aufgrund der winterlichen Bedingung zur Zeit gesperrt. Nur wenige Kilometer weiter, erreichten wir schließlich den Ort „Las Cuevas“. Das Wahrzeichen des Ortes ist dieses Hotel,...
...welches sich auf einer Höhe von 3200 Meter befindet.
Es war bitterkalt und ich war froh, dass ich meine Idee, eine Nacht in dem Hotel zu verbringen, schnell wieder verworfen hatte. Wenn es schon am Tage so kalt war, dann will ich gar nicht wissen, wie kalt es in der Nacht werden kann. Nach einem Mittagessen fuhren wir noch ein paar Kilometer weiter nach Osten, zum Grenzübergang nach Chile. Überquert haben wir die Grenze nicht. Wir wollten nur mal kurz die chilenische Luft schnuppern. Eine Ergänzung zum "Parque Provincial Aconcagua" habe ich noch. Der Film "Sieben Jahre in Tibet" mit Brad Pitt wurde nicht in Tibet gedreht, sondern hier im Nationalpark in Argentinien. Eine kleine Welt in mir stürzte zusammen. OK, ist ja auch logisch, da die chinesische Regierung es bestimmt nicht erlauben würde, einen Film zu drehen, der die chinesische Regierung kränken könnte. Eine ist keine, also gibt es noch eine Anmerkung. Ich weiß ja nicht, ob es bekannt ist, aber die Autos in Mendoza fahren ähhh fliegen mit Kerosin.
Wieder in Mendoza zurück, chillte ich noch etwas, weil ich am Abend ausgehen wollte. Und genau das war mein Fehler. In Argentinien geht man nachts aus. Vor 1-2 Uhr geht überhaupt nichts. Stundenlang wollte ich nicht am Glas nippen und ich fuhr wieder zurück ins Hostel. Für den nächsten Tag hatte ich mir ein Busticket nach Bariloche gekauft. Die Dame im Office hatte mir ein falsches Ticket, mit einem falschen Sitzplatz verkauft. Dies bedeutete viel Streß und Aufregung, weil es mit der Verständigung schwer ging. Zum Glück saß die Spanierin Isi auch im Bus und konnte mein Anliegen erklären. Da ich sehr groß bin, kann ich auf einigen Sitzen nicht sitzen, geschweige schlafen. In Argentinien ist es bei diesen langen Strecken üblich, nachts zu fahren. Die Sitze sind sogenannte Semi-Cama, also halbe Betten. Wenn ich einen zu engen Platz habe, bekomme ich kein Auge zu. Zum Schluß hatte sich alles geregelt und ich hatte meine beste Busfahrt in Argentinien. So viel komfort und luxus bin ich gar nicht gewöhnt. Es gab sogar ein warmen Essen und mehrmals Getränke gereicht. Kurz vor dem Schlafen gehen, gab es ein Schlafkissen und dann eine schöne Gute Nacht Geschichte. Der Film „Slumdog Millionär“ echt toll und traurig.

Dienstag, 29. September 2009

Cordoba, nee nicht in Spanien, in Argentinien

Am 25. September kam ich gegen Mittag aus Salta in Cordoba an. Eigentlich hatte ich auf halben Wege geplant, in Santiago del Estero einen Zwischenstopp zu machen. Ich wollte mir die älteste Stadt Argentiniens von 1553 anschauen. Doch dann hörte ich von der langweiligen Stadt Santiago del Estero, die mit Rentner überfüllt ist. Denn außerhalb der Stadt befindet sich ein Thermalbad. Von den letzten 3 Tagen noch ziemlich müde und erschöpft, tauschte ich meine beiden Bustickets gegen ein Ticket, welches mich auf direkten Weg nach Cordoba brachte. Nach einem Bier im Bus schlief ich wie ein Stein. Erst gegen 11 Uhr erwachte ich aus meinen Träumen und hatte dann nur noch eine 2 Stunden Fahrt vor mir. Vom Busbahnhof aus nahm ich einen Bus zu meinem reservierten Hostel, dass mitten in der Innenstadt lag. Es klingt bestimmt sowas von spießig, wenn ich von einem reservierten Hostel spreche. In Argentinien ist es üblich, über Hotelinternetplattformen, wie Hostelbookers oder Hostelworld, die Preise und die Feedbacks zu vergleichen. Neben der Zeitersparnis sind die Hostels meistens günstiger, als wenn ich vor Ort einchecken würde. Teilweise liegt die Ersparnis bei 25%. Spießig hin oder her. In Argentinien mußte ich über meinen Schatten springen. Außderdem wollte ich nicht in irgendeinem Hostel schlafen. Es könnte viel zu gefährlich sein. Für Cordoba hatte ich mich für das "Hostel Cordoba" entschieden, dass mitten in der Innenstadt lag. Statt für 35 Pesos (Normalpreis) bekam ich ein Bett für 25 Pesos (rund 4,50 Euro). Nach einer erholsamen Dusche, brachte ich nur noch meine schmutzige Wäsche zur Laundry und blieb sonst nur im Hostel. Die letzten Tage in und um Salta hatten mich zu sehr geschafft, so dass ich mich nur noch erholen wollte. Außerdem brauchte ich Zeit, meine Erlebnisse im Blog zu verarbeiten. Nach der 2. Nacht hatte ich beschlossen, 1-2 Tage länger in Cordoba zu verbringen. Nein, ich wollte nicht zum Oktoberfest.
In "Villa General Belgrano" findet nämlich jedes Jahr ein Oktoberfest (Fiesta de la Cerveza), ein Wiener Tortenfest (Fiesta de la Masa Vienesa) und ein Schokoladentortefest statt. In der 6000 Einwohnerstadt, in der die Häuser ein alpine Architektur aufweisen, leben vornehmlich die Nachkommen deutscher, schweizer und norditalienischer Einwanderer. Vor allem waren es Überlebende, des im Zweiten Weltkrieg in Argentinien versenkten Kriegschiffes „Graf Spee“. Villa General Belgrano gilt deshalb als „alpine Enklave“ in Argentinien. Südlich von Cordoba wollte ich mir eher die Stadt "Alta Gracia" anschauen. Dort befindet sich das Wohnhaus von Che Guevara, das heute ein Museum ist.
Che wurde in Rosario, westlich von Buenos Aires geboren. Auf Anraten des Arztes von Che, der an Astma erkrankt war, zog die Familie aufs Land. Aus (vielleicht) Sturheit bin / konnte ich nun nicht nach Alta Gracia gefahren. Wie gesagt, wollte ich meinen Aufenthalt im Hostel um 2 Tage verlängern. Ich hatte am ersten Tag gefragt, ob es möglich wäre. Alles kein Problem. Dann wurde es doch ein Problem, weil ich keine 50% Aufschlag bezahlen wollte, den sie verlangten. Im Internet waren sie nicht mehr verfügbar und andere günstige Hostels waren so kurzfristig nicht aufgeführt. Also entschied ich mich spontan Cordoba zu verlassen, als über meinen Schatten zu springen. Aber ganz ohne die Stadt angeschaut zu haben, wollte ich die zweitgrößte Stadt Argentiniens nicht verlassen. Einige Leute meinten, dass Cordoba recht toll sein soll. Ich war ziemlich enttäuscht, weil es nichts zu sehen gab. Alles sah grau und unsympathisch aus. Am Sonntag war die Stadt wie ausgestorben. Wahrscheinlich saßen die Einwohner vor dem Fernseher und verfolgten die Bundestagswahl in Deutschland?!? Alle 30 Minuten brachten sie einen langen Fernsehbeitrag aus Deutschland. Ob die Merkel heimlich für Frank-Walter Steinmeier gestimmt hat?!? Kurz vor Mitternacht fuhr mein Bus nach Mendoza.